"Barrierefreiheit ist ein Grundrecht, kein Prestigeprojekt." Mit diesem Satz bringt Jeanette Roche auf den Punkt, worum es der Berliner Initiative RuT (Rad und Tat) geht. Der Verein hat seine Wurzeln in der lesbischen Selbstorganisation, insbesondere für ältere und behinderte Lesben, und hat kürzlich das Inclusive Queer Center (IQZ) aufgebaut – einen Ort für Themen wie Inklusion, Altersdiskriminierung und Ableismus innerhalb der queeren Community.
Im Gespräch stellt Roche, die das Zentrum leitet, der Paralympics-Werbung Berlins den Alltag gegenüber: kaputte Aufzüge in der U-Bahn, die tagelang nicht repariert werden. Genau diese Lücke zwischen Imagepflege und gelebter Realität treibt sie um. Für behinderte Menschen innerhalb der queeren Community kommen mehrere Formen von Ausgrenzung zusammen, sagt sie – Diskriminierung wegen der Behinderung und wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität zugleich. Echte Teilhabe entstehe nur, wenn Betroffene selbst am Tisch sitzen, statt nur über sie zu sprechen.
Roche lenkt den Blick auch auf Barrieren, die sich nicht sofort zeigen. Neurodivergente Menschen stoßen ihrer Einschätzung nach auf Hindernisse, die von außen kaum wahrnehmbar sind: andere Kommunikationsweisen, gesellschaftliche Erwartungen, die nicht passen, Wahrnehmungsunterschiede, die häufig missverstanden werden. Ein inklusiver Ansatz müsse deshalb sichtbare wie unsichtbare Ausschlüsse gleichermaßen mitdenken.
Statt sich in internen Debatten zu verlieren, plädiert Roche dafür, die Energie der Community auf gemeinsame Anliegen zu richten: Teilhabe, Schutz, gemeinsam genutzte Ressourcen. Sie verweist auf die Geschichte der queeren Bewegung, deren größte Erfolge auf Solidarität zwischen unterschiedlichen Gruppen beruhten – ein Prinzip, das sich aus ihrer Sicht auch heute wieder lohnt.
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