Hochrechnungen auf Basis aktueller Statistiken zeigen: Hunderttausende LGBTIQ+-Menschen in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung. Fachverbände warnen vor Mehrfachdiskriminierung, besonders in der Pflege.
In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts zum Jahresende 2025 rund 7,8 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung, das entspricht 9,4 Prozent der Bevölkerung. Rechnet man diese Zahl mit Anteilswerten aus der Ipsos-Studie 2025 zur sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt zusammen, ergibt sich eine Schätzung von etwa 858.000 LGBTIQ+-Menschen mit Schwerbehinderung.
Von den Menschen mit Schwerbehinderung sind 49,9 Prozent männlich und 50,1 Prozent weiblich, 34 Prozent sind mindestens 75 Jahre alt. In 91 Prozent der Fälle ist eine Krankheit die Ursache der Behinderung, bei 57 Prozent handelt es sich um körperliche Einschränkungen.
Fachverbände sprechen bei der Gruppe der queeren Menschen mit Behinderung von Mehrfachdiskriminierung: Wer sowohl einer sexuellen oder geschlechtlichen Minderheit angehört als auch auf Unterstützung im Alltag angewiesen ist, macht doppelt Diskriminierungserfahrungen. Besonders ältere LGBTIQ+-Menschen mit Behinderung berichten von der Sorge, ihre Identität in Pflegeeinrichtungen verbergen zu müssen. Grund dafür sind mangelnde Sensibilisierung und mitunter offen homophobe Einstellungen von Pflegepersonal, heißt es von Interessenvertretungen.
Seit Jahren fordern Verbände deshalb mehr Fortbildungen für Pflegekräfte, diskriminierungssensible Versorgungskonzepte und eine stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer queerer Menschen in der Alten- und Krankenpflege. Bislang bleibt unklar, in welchem Umfang diese Forderungen in der Praxis umgesetzt werden – die Zahlen liefern nun zumindest eine belastbare Größenordnung für ein Thema, das in der öffentlichen Debatte um Pflege bislang kaum eine Rolle spielt.
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