Am CSD-Samstag eskalierte ein Streit um Regenbogenfahnen in der Hamburger Europa Passage zu einem Polizeieinsatz. Der betroffene Aktivist wirft den Beamten unverhältnismäßige Härte vor, die Polizei weist die Vorwürfe zurück.
Bild: KI-generiert (Higgsfield) · Illustration
Am CSD-Samstag kam es in der Hamburger Europa Passage zu einem Polizeieinsatz, der inzwischen für Diskussionen sorgt. Der Sicherheitsdienst des Einkaufszentrums hatte eine Gruppe von CSD-Teilnehmenden aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, weil Regenbogenfahnen dort angeblich nicht gestattet seien – ein Hausrecht, das viele Besucher*innen an diesem Tag überraschte. Der 41-jährige russischstämmige Aktivist Dmitrii Chunosov rief daraufhin selbst die Polizei, um die Situation zu klären; die Lage eskalierte jedoch, am Ende waren nach seinen Angaben zehn bis fünfzehn Beamt*innen vor Ort.
Chunosov wirft der Polizei unverhältnismäßige Härte vor: Er sei mit Handschellen und Kabelbindern gefesselt worden, habe eine Panikattacke erlitten und sich Schürfwunden an den Knien zugezogen – ärztliche Versorgung sei ihm verweigert worden. "Als meine Hände hinter meinem Rücken gefesselt wurden, war ich im Kopf wieder in Russland", beschreibt er die Situation, eine Anspielung auf frühere Verhaftungen in seiner alten Heimat.
Die Hamburger Polizei weist die Vorwürfe zurück: Chunosov habe gefilmt, sich aggressiv verhalten und Widerstand geleistet. Auch ein Vorwurf des Alkoholkonsums stand im Raum, den ein Krankenhausbefund allerdings nicht bestätigte. Das Landeskriminalamt ermittelt nun gegen Chunosov wegen Hausfriedensbruchs, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte – womit sich Anzeige und Gegenanzeige gegenüberstehen.
Chunosov kündigte rechtliche Schritte an. Er hofft, seine Version mit Handyaufnahmen belegen zu können – sein Telefon wurde ihm bislang jedoch nicht zurückgegeben, was eine unabhängige Prüfung der Vorwürfe zusätzlich erschwert.
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