Bild: KI-generiert (Higgsfield) · Illustration
Am CSD-Samstag kam es in der Hamburger Europa Passage zu einem Polizeieinsatz, der inzwischen für Diskussionen sorgt. Der Sicherheitsdienst des Einkaufszentrums hatte eine Gruppe von CSD-Teilnehmenden aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, weil Regenbogenfahnen dort angeblich nicht gestattet seien – ein Hausrecht, das viele Besucher*innen an diesem Tag überraschte. Der 41-jährige russischstämmige Aktivist Dmitrii Chunosov rief daraufhin selbst die Polizei, um die Situation zu klären; die Lage eskalierte jedoch, am Ende waren nach seinen Angaben zehn bis fünfzehn Beamt*innen vor Ort.
Chunosov wirft der Polizei unverhältnismäßige Härte vor: Er sei mit Handschellen und Kabelbindern gefesselt worden, habe eine Panikattacke erlitten und sich Schürfwunden an den Knien zugezogen – ärztliche Versorgung sei ihm verweigert worden. "Als meine Hände hinter meinem Rücken gefesselt wurden, war ich im Kopf wieder in Russland", beschreibt er die Situation, eine Anspielung auf frühere Verhaftungen in seiner alten Heimat.
Die Hamburger Polizei weist die Vorwürfe zurück: Chunosov habe gefilmt, sich aggressiv verhalten und Widerstand geleistet. Auch ein Vorwurf des Alkoholkonsums stand im Raum, den ein Krankenhausbefund allerdings nicht bestätigte. Das Landeskriminalamt ermittelt nun gegen Chunosov wegen Hausfriedensbruchs, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte – womit sich Anzeige und Gegenanzeige gegenüberstehen.
Chunosov kündigte rechtliche Schritte an. Er hofft, seine Version mit Handyaufnahmen belegen zu können – sein Telefon wurde ihm bislang jedoch nicht zurückgegeben, was eine unabhängige Prüfung der Vorwürfe zusätzlich erschwert.
Verwandte Artikel
ITB-Studie: Sicherheitsgefühl queerer Reisender in den USA bricht ein
Eine Studie von ITB Berlin, A3M Global Monitoring und Diversity Tourism zeigt: Das wahrgenommene Sicherheitsgefühl queerer Reisender in den USA ist binnen eines Jahres drastisch gesunken. Kanada und die Niederlande schneiden weiterhin am besten ab.
San Francisco: Schwule Bars setzen Gesichts-Scan an der Tür nach Kritik aus
Nach Kritik von Datenschutz- und Community-Gruppen stoppen die Castro-Bars Badlands und Toad Hall den Einsatz eines Foto- und Ausweis-Scansystems am Eingang. The Mix hält weiter daran fest.
Jede fünfte junge Person in Deutschland ist queer, doch die Generation schrumpft
Neue Destatis-Zahlen zeigen: 22 Prozent der Generation Z in Deutschland identifizieren sich als LGBTIQ+ – ein Höchststand. Gleichzeitig ist die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen so klein wie seit den frühen 2020er Jahren nicht mehr.