In Löhne in Nordrhein-Westfalen betreibt der Schäfer Michael Stücke eine Schafzucht. Aus ihr ist ein ungewöhnliches Hilfsprojekt entstanden. Ausgangspunkt war eine einfache Beobachtung: Männliche Schafböcke, die sich nicht mit weiblichen Tieren paaren, gelten in vielen Betrieben als wirtschaftlich nutzlos und werden zur Schlachtung aussortiert. Gemeinsam mit Nadia Leytes von der Werbeagentur Serviceplan machte Stücke daraus das Projekt Rainbow Wool.
Welche Böcke betroffen sind, zeigt sich erst über einen längeren Zeitraum: Die Betreiber beobachten das Paarungsverhalten der Tiere, bevor ein Bock aus der Zucht genommen und in die Rainbow-Wool-Herde aufgenommen wird. Aus der Wolle dieser Schafböcke entstehen Strickwaren und Modestücke. Der gesamte Erlös geht an Organisationen, die LGBTIQ+-Menschen weltweit unterstützen, die vor Verfolgung fliehen mussten.
Rund 2.000 Menschen konnten der Initiative zufolge auf diesem Weg bereits Hilfe erhalten, eine eigene Zahl für die geretteten Schafböcke nennen die Betreiber dagegen nicht. International bekannt wurde das Projekt auch durch eine Kooperation mit einer bekannten Dating-App sowie durch Modenschauen in den USA, bei denen die Strickkollektion gezeigt wurde.
Rainbow Wool versteht sich zugleich als Statement. Gleichgeschlechtliches Verhalten kommt in der Natur vor, bei einem Teil der Schafböcke ganz ohne menschliches Zutun. Für die Initiator*innen zeigt das: Vielfalt ist kein rein menschliches Thema, sie hat auch im Tierreich ihren Platz.
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