Thomas Kahlert gilt als einer von weltweit 13 Menschen, die von HIV geheilt wurden. Am Jahrestag seiner Stammzelltransplantation, dem 14. Oktober, eröffnet die Charité das Forschungszentrum BeCURE.
Bild: KI-generiert · Illustration
Thomas Kahlert, 62, ist der „zweite Berliner Patient“ und einer von weltweit 13 Menschen, die von HIV geheilt wurden. Er arbeitet seit 38 Jahren an der Charité. Bei der Veröffentlichung seines Falls 2024 blieb sein Name geheim. Jetzt spricht er öffentlich über seinen Weg, wie dpa und queer.de berichten.
2009 wurde bei einer Routineuntersuchung HIV festgestellt. 2015 erkrankte er an akuter myeloischer Leukämie, einer Form von Blutkrebs, und brauchte eine Stammzelltransplantation. Am 14. Oktober 2015 bekam er die Stammzellen einer gesunden Spenderin samt deren Immunsystem. Schon bei der ersten Blutkontrolle danach waren keine Viren nachweisbar. Heute lassen sich weder HI-Viren noch Krebszellen finden.
Medizinisch ist der Fall besonders. HIV dockt über CCR5-Rezeptoren an Immunzellen an. Etwa ein Prozent der Menschen europäischer Herkunft trägt laut Charité die Delta-32-Mutation, die das verhindert. Beim ersten Berliner Patienten fand sich ein Spender mit dieser Mutation. Für Kahlert gab es keinen passenden Spender mit beiden mutierten Kopien. Seine Spenderin trägt die Mutation nur auf einem Chromosom. Drei Jahre nach der Transplantation setzte Kahlert die antiretrovirale Therapie ab, gegen den Rat seines damaligen Arztes. Das Virus kehrte nicht zurück. Die Forschenden waren überrascht.
Am Jahrestag der Transplantation eröffnet die Charité das Heilungsforschungszentrum BeCURE, zu dem das Brown-Kahlert-Studienzentrum gehört. Es verbindet Grundlagenforschung, klinische Studien, Sozialforschung und Community-Beteiligung. Direktor ist Christian Gaebler, der auch an Kahlerts Behandlung beteiligt war.
Gaebler warnt vor falschen Hoffnungen: Das Verfahren funktioniere nur bei einer gleichzeitigen Krebserkrankung und sei wegen seines hohen Risikos für Menschen mit gut behandelter HIV-Infektion nicht vertretbar. Alle 13 Geheilten erhielten eine Stammzelltransplantation. Ziel sei, ohne sie auszukommen, etwa mit Antikörper- und Immuntherapien oder Gen- und Zelltherapien.
Weltweit leben rund 41 Millionen Menschen mit HIV. In Berlin sind es laut Robert Koch-Institut knapp 18.000, etwa 1.000 davon ohne Diagnose. Heutige Therapien halten das Virus unter Kontrolle, müssen aber lebenslang eingenommen werden. Kahlert wünscht sich, dass seine Heilung der Forschung hilft, auch in Ländern mit schlechtem Zugang zu moderner Medizin.
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