Das Russische LGBT-Netzwerk muss seine Arbeit einstellen, nachdem ein Gericht in St. Petersburg es als „extremistisch“ eingestuft hat. Unterstützer riskieren bis zu sechs Jahre Haft.
Bild: KI-generiert (Higgsfield) · Illustration
Das Russische LGBT-Netzwerk, eine der ältesten und größten Organisationen für queere Rechte im Land, muss seine Arbeit einstellen. Ein Gericht in St. Petersburg hatte die 2006 gegründete Organisation im April 2026 auf Antrag des russischen Justizministeriums als „extremistisch“ eingestuft – eine von neun queeren Gruppen, die in diesem Jahr diesen Status erhielten.
Die Einstufung hat für Unterstützerinnen und Unterstützer der Organisation konkrete Folgen: Wer nachweislich mit einer als extremistisch geführten Gruppe in Verbindung steht, riskiert in Russland bis zu sechs Jahre Haft. Das Netzwerk selbst erklärte, Menschenrechte, Solidarität und das Recht, man selbst zu sein, ließen sich dadurch nicht zerstören, und rief seine Mitglieder auf, auf sich selbst aufzupassen.
Die Schließung folgt auf eine Entscheidung des russischen Obersten Gerichts von 2023, das die „internationale LGBT-Bewegung“ pauschal als extremistisch klassifiziert hatte. Dieses Urteil dient seitdem als rechtliche Grundlage für Verfahren gegen einzelne Organisationen im Land. Erst im Januar 2026 hatte Russland zusätzlich die internationale Dachorganisation ILGA World zur „unerwünschten“ Organisation erklärt.
Menschenrechtsgruppen sprechen von einer systematischen Verschärfung der Kriminalisierung queeren Engagements in Russland. Mit dem Russischen LGBT-Netzwerk verliert die Community eine der wenigen verbliebenen Anlaufstellen, die trotz jahrelangen Drucks noch aktiv Rechtsberatung und Unterstützung angeboten hatte. Wie es mit der Arbeit der Organisation nun weitergeht, ist offen – Beobachterinnen und Beobachter rechnen damit, dass Teile der Arbeit ins Ausland oder in den Untergrund verlagert werden.
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