Bei zeitgleichen Razzien in fünf türkischen Provinzen haben Behörden 162 Menschen festgenommen und Büros queerer Organisationen sowie Bars und einen Hamam durchsucht. Die Regierung begründet die Aktion mit Familien- und Kinderschutz, Betroffene widersprechen.
Bild: KI-generiert · Illustration
Bei landesweiten Razzien haben türkische Behörden am 13. September in Istanbul, Ankara, Izmir, Aydın und Mersin insgesamt 162 Menschen festgenommen. Die Polizei durchsuchte Büros queerer Organisationen, Bars, Clubs und einen Hamam. Betroffen waren unter anderem die Gruppen Kaos GL, Lambdaistanbul, SPoD, LİSTAG, HEVİ LGBTİ+, Pozitif Yaşam und Pozitif İz.
Die Aktion trug den Namen „Meine Familie ist sicher" und lief nach Angaben der Behörden unter dem Vorwand des Kinder- und Familienschutzes. Justizminister Akın Gürlek erklärte, man werde „keine kriminelle Organisation, kein Missbrauchsnetzwerk und keine illegale Aktivität dulden, die sich gegen Kinder, Jugendliche oder Familien richtet". Beschlagnahmt wurden nach offiziellen Angaben Drogen, digitale Geräte, geschmuggelter Alkohol und eine Schusswaffe.
Menschenrechtsorganisationen ordnen die Razzia in Präsident Recep Tayyip Erdoğans Dekret „Jahrzehnt der Familie und Bevölkerung" ein, mit dem die Regierung auf die sinkende Geburtenrate reagieren will. Die betroffenen Gruppen widersprachen der Darstellung der Behörden: „Queer zu sein, einen Verein zu gründen und für unsere Rechte einzutreten, ist kein Verbrechen." Parallel zu den Razzien wurden Webseiten von LGBTIQ-Rechtsorganisationen und HIV-Aufklärungsprojekten gesperrt.
Die Aktion reiht sich in eine Serie staatlicher Maßnahmen gegen die türkische queere Community ein. In mehreren Städten, darunter Ankara und Istanbul, kam es im Anschluss zu Protesten; die Polizei ging dabei mit Tränengas gegen Demonstrierende vor.
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