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Türkei lässt 106 Inhaftierte nach LGBTI-Razzien frei

International

Nach massiven Protesten gegen die landesweite Razzia gegen LGBTI-Organisationen sind 106 Demonstrant:innen wieder frei. 81 Personen bleiben in Haft, unter den Betroffenen waren auch mehrere Journalist:innen.

Türkei lässt 106 Inhaftierte nach LGBTI-Razzien frei

Bild: KI-generiert · Illustration

Nach der landesweiten Razzia gegen LGBTI-Organisationen in der Türkei sind 106 Demonstrant:innen wieder auf freiem Fuß. Festgenommen wurden sie am Dienstag, als sich rund 1.000 Menschen vor dem Justizpalast in Istanbul versammelten, um gegen die Polizeieinsätze der vorangegangenen Tage zu protestieren. Bis Mittwochabend saßen noch 81 Personen in Haft. Von 33 weiteren, die einem Richter vorgeführt wurden, kamen 13 unter Auflagen frei, 20 blieben in Gewahrsam.

Ausgangspunkt war eine Razzia am Sonntag zuvor. Die Polizei durchsuchte in Istanbul, Ankara und Izmir Treffpunkte, Lokale und Privatwohnungen der queeren Community. Den Betroffenen werfen die Behörden die Verbreitung "obszöner Inhalte" und "Beihilfe zur Prostitution" vor. Insgesamt stehen 162 Personen sowie neun Organisationen und 13 Unternehmen unter Ermittlung — darunter die Organisation Kaos GL, deren Arbeit trotz der Freilassungen weiter im Visier der Justiz bleibt.

Unter den zunächst Festgenommenen waren auch Journalist:innen: ein Korrespondent der ARD, ein Reporter der türkischen Zeitung BirGün und die für die Deutsche Welle arbeitende Tuğba Tekerek. Ihr wurde vorgeworfen, den Instagram-Auftritt von Kaos GL zu betreiben. Über ihre Anwältin ließ sie mitteilen, sie habe "lediglich einen journalistischen Text verfasst" — den Vorwurf nannte sie "vollkommen absurd".

Homosexualität ist in der Türkei offiziell nicht strafbar, gesellschaftliche Ablehnung bleibt trotzdem verbreitet. Präsident Recep Tayyip Erdoğan äußert sich seit Jahren abwertend über queere Menschen; die Razzien begründete seine Regierung mit dem Schutz von "Kindern und Familie". Human Rights Watch spricht von der bislang breitesten Repressionswelle gegen LGBTI-Personen in der Türkei der vergangenen Jahre. Die Freilassungen folgten auf wachsenden Druck aus der EU und von internationalen Presseverbänden.

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