Indonesiens höchster muslimischer Rechtsgelehrten-Rat will queere Menschen per Gesetz kriminalisieren und den Begriff LGBT durch eine Straftaten-Abkürzung ersetzen.
Bild: KI-generiert · Illustration
Der Indonesische Ulema-Rat (MUI), die höchste muslimische Rechtsgelehrten-Instanz des Landes, will queere Menschen und queeren Aktivismus unter Strafe stellen. Ende Juli kündigte der Leiter der Fatwa-Kommission, Asrorun Niam Sholeh, an, der Rat werde ein wissenschaftliches Papier und einen Gesetzentwurf für Regierung und Parlament vorbereiten.
Der Vorschlag ersetzt den Begriff "LGBT" durch die Abkürzung "LGSP" – für Lesbian, Gay, Sodomy and Sexual Abuse – und stellt sexuelle Orientierung damit sprachlich auf eine Stufe mit Straftaten. Strafbar wären nicht nur sexuelle Handlungen selbst, sondern auch das, was der Rat als "Kampagne" oder "Verbreitung" queerer Kultur bezeichnet – mit härteren Strafen als für außerehelichen Sex. Bereits im August erklärte der Rat Cross-Dressing bei Unabhängigkeitsfeiern für "nach islamischem Recht verboten", obwohl Männer in traditionellen indonesischen Festen seit langem auch in Frauenkleidung auftreten.
Der Vorstoß reiht sich in eine Serie staatlicher Maßnahmen ein: Präsident Prabowo Subianto stufte die "Verbreitung queerer Kultur" per Verordnung vom Oktober 2025 als nichtmilitärische Bedrohung der Staatssicherheit ein. Das neue nationale Strafgesetzbuch, das im Januar 2026 in Kraft trat, enthält zudem Regelungen zu sexuellen Handlungen außerhalb der Ehe, die gleichgeschlechtliche Paare besonders treffen. Human Rights Watch dokumentierte im Juni 2026 zunehmende Angriffe auf queere Studierende.
Purba Widnyana von der Organisation GAYa Nusantara warnt, dass vage Begriffe wie "Kampagne" auch HIV-Aufklärung, Rechtsberatung oder akademische Debatten kriminalisieren könnten. Aktivist*innen berichten bereits jetzt von mehr Gewalt, Jobverlust und Online-Hetze gegen die Community.
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