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Türkei: Landesweite Razzia gegen LGBTI-Organisationen und Bars

International

Bei einer landesweiten Razzia unter dem Codenamen „Meine Familie ist sicher“ hat die türkische Polizei 38 Adressen durchsucht, mindestens 26 Menschen festgenommen und Websites sowie Social-Media-Konten von LGBTI-Organisationen wie Kaos GL gesperrt. Die Aktion reiht sich in Präsident Erdogans „Jahrzehnt der Familie“ ein.

Türkei: Landesweite Razzia gegen LGBTI-Organisationen und Bars

Bild: KI-generiert · Illustration

In der Nacht zum Sonntag hat die türkische Polizei unter dem Namen „Meine Familie ist sicher“ eine landesweite Aktion gegen LGBTI-Organisationen und queere Treffpunkte durchgeführt. Betroffen waren nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Kaos GL mehr als 15 Provinzen, Schwerpunkte lagen in Istanbul, Ankara, Izmir, Aydin und Mersin. Die Behörden durchsuchten 38 Adressen und nahmen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mindestens 26 Menschen fest; Kaos GL selbst spricht von rund 50 Festnahmen landesweit, darunter mehr als zehn eigene Aktivist*innen.

Insgesamt richtete sich die Razzia gegen 162 Personen, neun Vereine und 13 Unternehmen – in Istanbul unter anderem gegen die Bars Stay, ExBar, Cheeky, Love, Pinokyo, Bgudi, con, Sahara, Superfabric und Aquarius Taksim. Hauptziel war die Organisation Kaos GL mit Sitz in Ankara. Die Vorwürfe reichen von Vereinsgründung zum Begehen von Straftaten über Prostitution und Obszönität bis zu Drogenbesitz; hinzu kommt der Verdacht, Minderjährige in ihrer sexuellen Orientierung zu beeinflussen. Justizminister Akin Görlek begründete die Aktion mit Präsident Erdogans „Jahrzehnt der Familie 2026–2035“ und dem Schutz von Kindern, Familie und „sozialer Ordnung“.

Bereits am 12. September waren die Websites von Kaos GL und der Organisation Velvele gesperrt worden, zusätzlich blockierten die Behörden 14 Konten auf X und ordneten die Sperrung von elf Instagram-Konten an. Laut der Medienbeobachtungsgruppe Ifod waren die betroffenen X-Konten, die zusammen mehrere Zehntausend Follower haben, ohne VPN nicht mehr erreichbar.

Die Razzia reiht sich in eine Serie staatlicher Maßnahmen seit Erdogans Ausrufung des „Jahres der Familie“ 2025 ein: Im Juni 2026 waren bereits CSDs in Ankara und Istanbul verboten und rund 40 weitere Accounts queerer und feministischer Gruppen gesperrt worden. Ein derzeit anhängiges Gesetzespaket sieht zudem Strafen für queere „Propaganda“ sowie Einschränkungen der medizinischen Versorgung von trans Personen vor.

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