Ministerpräsident Péter Magyar will die Adoptionsregeln der Orbán-Ära abschaffen, die de facto queere Menschen ausschlossen. Über die Zulassung sollen künftig Fachleute statt Politiker entscheiden.
Bild: KI-generiert · Illustration
Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar hat angekündigt, die Adoptionsregeln für gleichgeschlechtliche Paare und Alleinstehende zu ändern. Sie gehen auf eine Gesetzesänderung von Dezember 2020 zurück, mit der die Orbán-Regierung Mutter als „biologisch weiblich" und Vater als „biologisch männlich" festschrieb und Adoptionen faktisch verheirateten Paaren vorbehielt.
Da gleichgeschlechtliche Paare in Ungarn nicht heiraten dürfen, blieb ihnen zuvor nur der Weg über eine Einzeladoption durch einen der beiden Partner. Genau diesen Weg blockierte die Reform von 2020: Wer allein adoptieren wollte, brauchte seither eine persönliche Genehmigung – zunächst von der damaligen Staatspräsidentin Katalin Novák, später vom zuständigen Familienminister. In der Praxis schloss das queere Menschen von Adoptionen aus.
Magyar sagte, entscheidend müsse sein, dass ein Kind in einer liebevollen Familie aufwachsen könne – nicht die sexuelle Orientierung oder der Familienstand der Eltern. Über die Zulassung sollten künftig Fachleute wie Psycholog*innen und Kinderschutzexpert*innen befinden, nicht Politiker. Grundlage seiner Ankündigung ist ein 220-seitiger Regierungsbericht zum Kinderschutz, der das bestehende Adoptionssystem als „am Rand des Kollapses" beschreibt.
Die Reform reiht sich in eine Serie von Kurskorrekturen seit dem Regierungswechsel im April ein: Die neue Regierung hob bereits das Verbot von Pride-Veranstaltungen auf und ließ eine Anklage gegen Budapests Bürgermeister Gergely Karácsony wegen der Organisation des Pride-Marsches 2025 fallen. Ein konkretes Datum für das neue Adoptionsgesetz nannte Magyar nicht; oppositionsnahe Medien werfen ihm bereits vor, der „LGBTQ-Lobby nachzugeben".
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