In Berlin-Tiergarten ist ein zehnjähriger Junge in der Schule homophob beleidigt und körperlich angegriffen worden. Wegen des Alters der Beteiligten bleibt der Fall strafrechtlich folgenlos, Jugendamt und Staatsschutz sind eingeschaltet.
Bild: KI-generiert · Illustration
An einer Schule im Berliner Ortsteil Tiergarten ist ein zehnjähriger Junge während der Mittagspause homophob beleidigt und körperlich angegriffen worden. Laut Polizeiangaben beschimpfte ihn am Donnerstag gegen 12 Uhr zunächst eine Mitschülerin mit homosexuellenfeindlichen Worten, bevor sie ihm in die Rippen trat und ihn am Hals würgte. Der Junge erlitt Verletzungen im Halsbereich.
Nachdem eine Bezugsperson ihn abgeholt hatte, erstattete die Familie Anzeige. Die Berliner Polizei nahm den Vorfall auf; da es sich mutmaßlich um eine queerfeindlich motivierte Tat handelt, wurde der für solche Delikte zuständige Staatsschutz beim Landeskriminalamt informiert.
Da beide Kinder unter 14 Jahre alt sind, sind sie strafunmündig – ein Strafverfahren wird es also nicht geben, die Staatsanwaltschaft wird das Verfahren einstellen. Dennoch hat die Polizei Beweise gesichert und die Beteiligten identifiziert. Automatisch eingeschaltet wird zudem das Jugendamt, das mit den Familien Kontakt aufnimmt und die häusliche Situation prüft; in schwerwiegenden Fällen kann das Familiengericht eingeschaltet werden.
Dass ausgerechnet aus Berlin regelmäßig von solchen Vorfällen berichtet wird, hat auch mit der Praxis der dortigen Polizei zu tun: Anders als in vielen anderen Bundesländern macht sie mutmaßlich queerfeindliche Straftaten aktiv öffentlich – wodurch Fälle sichtbar werden, die anderswo unbemerkt blieben.
Verwandte Artikel
Grindr-Überfallserie in Berlin: Sechs Jahre Jugendstrafe für 18-Jährigen
Das Landgericht Berlin hat einen 18-Jährigen verurteilt, der mit falschen Grindr-Profilen schwule Männer in die Falle lockte. Es ist das zweite Urteil in einer solchen Serie binnen weniger Monate.
Indien: Queerer Influencer Mad Sandhu in Amritsar erschossen
Madhusudan Sandhu, queerer Make-up-Artist mit 226.000 Instagram-Followern, wurde am 3. Oktober in Amritsar erschossen. Die Polizei geht von einem möglicherweise geplanten Angriff aus.
Bremen: Zehnköpfige Gruppe greift schwules Paar nach Einheitsfeier an
Am Rande der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit haben etwa zehn Personen in Bremen ein Männerpaar beleidigt und geschlagen. Der Staatsschutz ermittelt wegen verhetzender Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung.