Beim Christopher Street Day in Chemnitz haben unbekannte Täter am Samstag Eier von einem Wohnhaus aus auf die Demonstration geworfen. Getroffen wurden mehrere parkende Autos sowie Steffen Fuchs, ein krebskranker Mann im Rollstuhl, der eigens aus Berlin angereist war. Fuchs erstattete Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung.
Sein Schwager schilderte gegenüber der Polizei seine Fassungslosigkeit: „Ich verstehe nicht, wie man Eier auf Demonstrierende werfen kann.“ Die Polizei ermittelt, ein konkretes Motiv war zunächst nicht bekannt, ein queerfeindlicher Hintergrund liegt aber nahe.
Der Vorfall überschattete einen ansonsten historischen Tag für die Chemnitzer Szene: Mit mehr als 2.000 Teilnehmenden verzeichnete der CSD, der in diesem Jahr zum 14. Mal stattfand, die größte Teilnehmerzahl seiner Geschichte. Das ist bemerkenswert, weil die Veranstaltung erst drei Jahre zuvor, 2023, von Aufmärschen von Neonazis und mehreren queerfeindlichen Zwischenfällen begleitet worden war. Als einzige hochrangige Politikerin nahm in diesem Jahr die Linken-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper teil.
Bei einer Kundgebung forderte eine Rednerin unter anderem eine geschlechtergerechte Sprache im öffentlichen Raum. Wegen der sommerlichen Hitze mussten vier Teilnehmende wegen Kreislaufproblemen und Panikattacken medizinisch versorgt werden. Der Demonstrationszug begann mit leichter Verspätung am Mittag im Stadtzentrum von Chemnitz.
Die Polizei sicherte Spuren an den getroffenen Fahrzeugen und nahm die Anzeige von Fuchs auf, zum aktuellen Ermittlungsstand äußerte sie sich zunächst nicht öffentlich. Für die Organisatorinnen und Organisatoren war der Vorfall ein bitterer Dämpfer an einem Tag, den sie eigentlich als Erfolgsgeschichte werten konnten: Nach den Ausschreitungen von 2023 hatte sich in Chemnitz eine kleine, aber wachsende CSD-Tradition etabliert, die in diesem Jahr so viele Menschen wie nie zuvor auf die Straße brachte.
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