Das 1995 gegründete Online-Forum DataLounge, lange ein zentraler Treffpunkt für Klatsch und Debatten in der schwulen Community, ist nach 31 Jahren offline gegangen.
Nach 31 Jahren ist DataLounge, eines der ältesten Online-Foren der schwulen Community, endgültig offline gegangen. Die Seite wurde 1995 von den New Yorkern Michael Rhodes, Carl Pritzkat und Tony Travostino gegründet – lange bevor es soziale Netzwerke, Blogs oder Reddit gab. „Wir waren drei schwule Männer … Es gab dieses Gefühl, dass wir einen Platz für uns selbst schaffen mussten“, erinnerte sich Travostino, der unter dem Pseudonym „Muriel“ als Webmaster fungierte.
DataLounge wuchs zu einem Sammelpunkt für anonyme Debatten über Promi-Klatsch, Politik und queere Themen und archivierte im Lauf der Jahre mehr als 36 Millionen Beiträge. Der anonyme Charakter machte die Seite zugleich berüchtigt: Nutzer verbreiteten wiederholt erfundene Geschichten und Hassinhalte, mehrfach drohten Prominente und Politiker mit Klagen.
Am 30. Juli schaltete das Betreiberteam die Seite ab, einen Tag früher als ursprünglich angekündigt. Als Hauptgrund nennen die Gründer den anhaltenden Rückgang der Besucherzahlen, seit Suchmaschinen zunehmend KI-generierte Zusammenfassungen statt Links zu Originalseiten anzeigen. Dazu kam der wachsende Aufwand, die technisch veraltete Plattform sicher zu betreiben. Zum Abschied schrieb Travostino, der Ort, an dem anonyme Fremde vierzig Seiten lang debattiert hätten, sei eine der authentischsten Communitys des Internets gewesen.
Auch außerhalb der Community fand das Ende Beachtung: Selbst die New York Times würdigte den Abschied als Verlust eines der letzten echten Relikte des frühen, unmoderierten Internets – trotz des zweifelhaften Rufs, den sich die Seite über die Jahre erworben hatte.
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