Nach Angaben spanischer Polizeikreise berufen sich rund 70 Prozent der jüngeren Asylsuchenden aus Marokko in Ceuta auf Verfolgung wegen ihrer sexuellen Orientierung. Bewilligt wurden bislang erst fünf solcher Anträge.
In der spanischen Exklave Ceuta nennen etwa 70 Prozent der jüngeren Asylsuchenden aus Marokko ihre sexuelle Orientierung als Fluchtgrund. Das berichtet die spanische Zeitung ABC unter Berufung auf Polizeikreise. Bewilligt wurden bislang nur fünf Anträge, die so begründet sind.
Die Menschen waren am 30. und 31. Juli nach Ceuta gekommen. Laut Human Rights Watch schwammen damals Zehntausende aus Marokko in die Enklave. Zunächst gaben viele wirtschaftliche Gründe wie Arbeitslosigkeit an. Inzwischen ist die sexuelle Orientierung der häufigste Grund. Rund 95 Prozent der geprüften Anträge stammen von marokkanischen Staatsangehörigen. Etwa 10.000 Menschen halten sich nach Angaben von ABC noch in Ceuta auf; die Zahl sank, weil illegale Lager geräumt wurden.
Die Polizei vermutet, dass sich unter den Antragstellenden herumspricht, welche Angaben die Chancen auf Schutz erhöhen. Sie hält es auch für möglich, dass Hilfsorganisationen dabei beraten. Die Polizeigewerkschaft sieht dagegen keine Belege für systematischen Missbrauch. Die interne Ablehnungsquote bei bereits bearbeiteten marokkanischen Anträgen wird auf rund 99 Prozent geschätzt.
In Spanien gilt Verfolgung wegen der sexuellen Orientierung als Schutzgrund. Die bloße Behauptung, homosexuell zu sein, genügt nach Darstellung von ABC aber nicht. Die Behörden prüfen jeden Fall einzeln anhand von Interviews, der Stimmigkeit der Schilderung und der Lage im Herkunftsland. Ein früherer Angriff oder eine Festnahme ist nicht zwingend nötig.
In Marokko sind gleichgeschlechtliche Handlungen nach Artikel 489 des Strafgesetzbuchs strafbar. Vorgesehen sind Haft zwischen sechs Monaten und drei Jahren sowie Geldstrafen von 120 bis 1.200 Dirham. Die Aktivistin Ibtissam Lachgar wurde 2025 wegen eines T-Shirts mit der Aufschrift „Allah ist lesbisch“ zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Die Organisation Border Resistance hatte im August auf die besondere Gefährdung queerer Migrantinnen und Migranten in Ceuta hingewiesen. Berichtet wurden Beleidigungen und Drohungen; auch Einsatzkräfte hätten homophobe Ausdrücke benutzt. Die Organisation fordert sichere Unterkünfte und einen Abschiebestopp für queere Asylsuchende.
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