Nach wochenlangem Druck aus der eigenen Partei gibt Jens Spahn den Vorsitz der Unionsfraktion ab. Der CDU-Politiker hatte mit seinem Mann ein Kind per Leihmutterschaft in den USA bekommen – eine Praxis, die seine Partei offiziell ablehnt.
Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag zurückgetreten. Der CDU-Politiker reagierte damit auf wochenlangen Druck aus den eigenen Reihen, nachdem bekannt geworden war, dass er und sein Ehemann Daniel Funke ihr Kind über eine Leihmutter in den USA austragen ließen.
Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, die CDU hatte erst im Februar bekräftigt, an diesem Verbot festhalten zu wollen – zur Verhinderung von "Missbrauch, Ausbeutung und Gesundheitsrisiken". Kritiker warfen Spahn deshalb Doppelmoral vor: Er nutze privat, was er politisch anderen verwehre.
Aus der Partei kam scharfe Kritik. Der CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, forderte öffentlich Spahns Rücktritt, auch die frauenpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Mechthild Heil, äußerte sich deutlich ablehnend. Bundeskanzler Friedrich Merz drängte Spahn schließlich zum Rückzug und nannte diesen Schritt "richtig" und "unvermeidlich": Glaubwürdigkeit sei "das höchste Gut in der Politik".
Spahn selbst erklärte, sein privates Glück, "gemeinsam mit meinem Mann Vater zu sein", lasse sich mit dem politischen Amt derzeit nicht vereinbaren. Er habe lange mit sich gerungen, sagte er, und bat trotz aller Differenzen um einen menschlichen Ton in der Debatte.
Nicht alle in der Partei stimmten der Rücktrittsforderung zu. Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch verteidigte Spahn und kritisierte, der Shitstorm habe jedes Maß verloren – die CDU sei schließlich eine politische Partei und keine Glaubensgemeinschaft.
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