Die US-Regierung hat eine Regel gekippt, die queere Kinder im Pflegesystem besser schützen sollte. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. strich die sogenannte Designated Placement Rule am 15. Juli 2026 endgültig aus dem Bundesrecht.
Die 2024 unter Präsident Biden eingeführte Regel verpflichtete Jugendämter, die Bundesmittel erhalten, LGBTQ-Jugendliche in speziell geschulten, unterstützenden Pflegefamilien unterzubringen. Sie schuf Meldewege bei Misshandlung, ermöglichte einen Wechsel der Unterbringung und untersagte Konversionsbehandlungen ebenso wie Vergeltungsmaßnahmen gegen betroffene Kinder. Pflegeeltern mussten dadurch nicht automatisch queere Kinder aufnehmen, auch religiösen Familien blieb der Weg zur Zulassung offen.
Ein Bundesgericht hatte die Regel bereits im Juni 2025 gekippt, weil dem Gesundheitsministerium die Rechtsgrundlage dafür fehle. Die Regierung begründet die endgültige Streichung zusätzlich mit einem Mangel an Pflegefamilien – landesweit kommen demnach nur 57 zugelassene Familien auf 100 Kinder – und mit Einsparungen von 35,5 Millionen Dollar.
Kritiker sehen das anders. Der frühere Ministeriumsmitarbeiter Adrian Shanker nannte die Streichung „eine weitere tragische Maßnahme gegen LGBTQI-Menschen“. Die ehemalige Beraterin Julie Kruse betonte, queere Jugendliche im Pflegesystem hätten „keine Ausweichmöglichkeit“. Der 27-jährige Weston Charles-Gallo, selbst ehemaliges Pflegekind, beschrieb, wie viel schwerer ein Coming-out im Pflegesystem sei.
Zahlen des Williams Institute der UCLA zeigen, dass queere Jugendliche im Pflegesystem überproportional vertreten sind. Nach Daten des Trevor Project haben Betroffene mit Pflegeerfahrung ein fast dreifach erhöhtes Risiko für Suizidversuche; 40 Prozent der befragten trans und nichtbinären Jugendlichen berichteten von Verlassenwerden infolge von Misshandlung.
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