Der queere Muslim Tugay Saraç bekommt den mit 10.000 Euro dotierten Versöhnungspreis 2026. Er arbeitet an Berliner Schulen zu Queerness, Islam und Islamismus und war als Jugendlicher selbst Salafist.
Bild: KI-generiert · Illustration
Tugay Saraç, 29, erhält den Versöhnungspreis 2026 der Klaus Jensen Stiftung. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 26. November in Trier verliehen. Die Meldung geht auf die Deutsche Presse-Agentur zurück, die queer.de aufgegriffen hat.
Saraç ist queerer Muslim und leitet die Anlaufstelle „Islam & Diversity“ an der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin; dort ist er auch LGBTQ-Beauftragter. An Schulen spricht er mit Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften über Queerness, Islam, Antisemitismus und Islamismus. Nach eigenen Angaben setzt er dabei auf persönliche Begegnung und Dialog statt auf Belehrung.
Sein eigener Weg ist Teil dieser Arbeit. Saraç war als Jugendlicher Salafist und lehnte damals unter anderem seine Homosexualität ab. 2017 wandte er sich vom Salafismus ab. Heute will er jungen Muslimen vermitteln, dass islamischer Glaube und queere Identität zusammengehen können. Sein Motto lautet „Liebe ist halal“, so hieß auch die Akzeptanzkampagne, an der er 2021 beteiligt war.
Die Klaus Jensen Stiftung wurde 2003 von Klaus Jensen gegründet, der von 2007 bis 2015 SPD-Oberbürgermeister von Trier war. Sie fördert Projekte zu Gewaltprävention, Mediation und Versöhnung im In- und Ausland. Mitstifterin ist die frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die mit Jensen verheiratet ist.
Verwandte Artikel
Berlin: Razzia in trans Gesundheitszentrum Casa Ku löst Kritik aus
Die Polizei hat das trans Gesundheitszentrum Casa Ku in Berlin-Kreuzberg durchsucht. Der Verdacht: illegaler Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Verbände sprechen von Kriminalisierung und fordern Versorgung.
Berlin: Polizei sucht mit Fotos zwei mutmaßlich homophobe Schläger vom U-Bahnhof Alt-Mariendorf
Ein Jahr nach einem Angriff auf einen 30-Jährigen am U-Bahnhof Alt-Mariendorf veröffentlicht die Berliner Polizei Bilder einer Überwachungskamera. Zwei Männer sollen den Mann homophob beleidigt und verletzt haben.
Berlin-Mitte: Erstes Lesbenwohnprojekt Deutschlands mit 74 Wohnungen eröffnet
In Berlin-Mitte hat ein Neubau mit 74 barrierefreien Mietwohnungen, Café und soziokulturellem Zentrum eröffnet. Initiiert hat ihn der Verein RuT. 70 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert.