Das Landeskriminalamt durchsuchte am Sonntag das trans Gesundheitscenter Casa Kuá. Der Vorwurf: illegaler Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Rund 130 Menschen protestierten, Berlins Queerbeauftragter stellte Fragen zur Versorgungslage.
Bild: KI-generiert · Illustration
Das Landeskriminalamt Berlin hat am Sonntag das trans Gesundheitscenter Casa Kuá in der Kreuzberger Naunynstraße durchsucht. Der Einsatz begann gegen 17 Uhr. Die Polizei prüft einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz wegen mutmaßlich illegalen Handels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Nach ihren Angaben sollen dort Hormontherapien ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt worden sein.
Die Betreiber beschreiben Casa Kuá als Projekt für besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung für trans, inter, nichtbinäre und queere Menschen. Sie halten das deutsche Gesundheitssystem für diskriminierend und wollen traditionelle und konventionelle Behandlungen verbinden. Für den Tag der Durchsuchung war ein Workshop für trans Frauen angekündigt, in dem es darum gehen sollte, wie man Präparate online mit Kryptowährung kauft.
Laut taz waren 38 Einsatzkräfte vor Ort, mindestens 21 Personen wurden kontrolliert. Die Polizei stellte nach eigenen Angaben Arzneimittel und einen Bargeldbetrag im mittleren vierstelligen Bereich sicher. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.
Rund 130 Menschen kamen spontan zu einer Kundgebung unter dem Motto „Hormone für alle“. Es kam zu Rangeleien mit der Polizei; laut dpa wurde eine Person vorübergehend in Gewahrsam genommen.
Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano (SPD) war vor Ort. Unabhängig von den Vorwürfen warf er gesundheitspolitische Fragen auf: Für trans Frauen mit Krankenversicherung sei es schwierig, gynäkologische Praxen oder eine verlässliche ärztlich begleitete Hormontherapie zu finden. Besonders betroffen seien Schwarze Menschen und People of Color, Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung und Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus.
Maik Brückner von der Linken kritisierte, die Bundesregierung schließe eine Regelungslücke nicht. Diese erschwere trans Personen die Hormonbeschaffung über Arztpraxen und die Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Er sprach von „doppelter Diskriminierung“ und forderte Aufklärung. Ob sich der Verdacht gegen Casa Kuá bestätigt, ist offen.
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