Das Tennessee Court of Criminal Appeals hat die Verurteilung von Samuel Ward Jr. aufgehoben. Der Richter hatte Hinweise auf das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht des Opfers ausgeschlossen. Aktivistinnen kritisieren die Entscheidung.
Bild: KI-generiert · Illustration
Ein Berufungsgericht in Tennessee hat die Verurteilung von Samuel Ward Jr. wegen Totschlags aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet. Ward hatte im Juni 2022 in Memphis die Schwarze trans Frau Paris Lee erschossen. Die Entscheidung des dreiköpfigen Richtergremiums vom 5. Oktober wurde am 9. Oktober bekannt.
Im ersten Prozess, der im Mai 2025 mit einem Schuldspruch endete, hatte der Richter jeden Verweis auf das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht von Lee untersagt. Es sei für die Frage, ob eine Waffe tödliche Gefahr bedeutet, nicht relevant. Auch Details in Obduktionsberichten und auf Fotos wurden geschwärzt. Sinngemäß sagte der Richter, eine tödliche Waffe bleibe eine tödliche Waffe.
Das Berufungsgericht sieht das anders. Das Ausgangsgericht habe den möglichen Beweiswert nicht gegen die Gefahr unfairer Benachteiligung abgewogen. Die Beweise seien für Wards Notwehrbehauptung relevant, vor allem für das Ausmaß seiner Angst. Der Ausschluss habe ihn zudem daran gehindert, seine Verteidigung vollständig darzulegen, und bei den Geschworenen den Eindruck erzeugt, er habe eine cisgeschlechtliche Frau getötet. Das Urteil heißt nicht, dass die Tötung gerechtfertigt war. Die Staatsanwaltschaft kann die Entscheidung an ein höheres Gericht weitergeben.
Laut Staatsanwaltschaft hatte Ward Lee in deren Wohnung aufgesucht und sich nach einem Streit geweigert zu gehen. Er behauptete, Lee habe eine Waffe auf ihn gerichtet. Lee wurde sechsmal getroffen, die Schusswinkel widersprächen laut Anklage Wards Darstellung. Ward verließ den Tatort und rief erst etwa 30 Minuten später den Notruf.
Kayla Gore von der Organisation My Sistah’s House in Memphis warnte, Identität dürfe nicht als Erklärung für Angst dienen. Schwarze trans Frauen würden ohnehin oft als gefährlich stereotypisiert. Tennessee gehört nicht zu den laut LGBTQ+ Bar Association 21 US-Bundesstaaten, die die sogenannte Gay-/Trans-Panic-Verteidigung verbieten.
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