Eine Recherche von WIRED wirft der Dating-App Goose vor, mit KI-generierten Fake-Profilen gezielt schwule Männer zur Anmeldung zu bewegen. Der Anbieter weist die Vorwürfe zurück.
Die Dating-App Goose, die sich selbst als soziale Alternative zu Grindr positioniert, steht wegen mutmaßlicher Fake-Profile in der Kritik. Eine Recherche des Magazins WIRED fand mehr als zwei Dutzend Accounts, die mit hoher Wahrscheinlichkeit KI-generierte Gesichter zeigen und zur Werbung neuer Nutzer eingesetzt wurden. Auffällig geringe Interaktionsraten trotz hoher Followerzahlen sowie ungewöhnliche Verhältnisse von Followern zu Abonnements – für die Auswertung typische Anzeichen automatisiert erstellter Konten.
Gegründet wurde Goose vom offen schwulen Model und Unternehmer Derek Chadwick zusammen mit David Aliagas. Ein mit Aliagas verknüpfter Account soll auf Instagram für bezahlte „Ambassador“-Positionen geworben und dafür sogenannte Finstas gesucht haben, speziell angelegte Zweit-Accounts. Gegenüber WIRED berichteten mehrere Nutzer, sie seien von vermeintlich KI-generierten Profilen kontaktiert und zur Anmeldung bei Goose gedrängt worden. Ryan Cheam etwa schilderte den Kontakt zu einem Account namens @alistaircrombbie, den er zunächst für einen echten Nutzer hielt. Das Profil verschwand später von Instagram.
Statt zu wischen, „winken“ sich Nutzerinnen und Nutzer bei Goose zu; erst ein gegenseitiges Winken öffnet den Chat. Die App verspricht kuratierte Communitys, eine Live-Karte und Schutz vor Screenshots und schaffte es im Frühjahr auf Platz vier der Lifestyle-Charts im Apple App Store. Inzwischen ist sie auf Platz 66 zurückgefallen. Ein Sprecher von Goose weist die Vorwürfe zurück: Das Team wähle jede eingeladene Person persönlich aus und arbeite rund um die Uhr daran, die App frei von Fake-Profilen zu halten. Nach US-amerikanischem Recht untersagt die Handelsaufsicht FTC den Einsatz KI-generierter Accounts zur Täuschung von Nutzerinnen und Nutzern.
Verwandte Artikel
Rekord an Buchverboten: US-Schulen sperrten fast 12.000 Titel
Laut PEN America haben öffentliche Schulen in den USA im Schuljahr 2025/26 11.982 Bücher verbannt, so viele wie nie seit Beginn der Erhebung 2021. Texas und Florida verantworten 95 Prozent der Verbote.
HRC-Umfrage: Die meisten queeren Erwachsenen in den USA leben offen, doch das politische Klima bremst
Vor dem Coming-out-Tag veröffentlicht die Human Rights Campaign Umfrageergebnisse: 85 Prozent der befragten LGBTQ+-Erwachsenen leben mehr oder weniger offen, 56 Prozent sagen, das politische Klima mache sie zurückhaltender.
US-Bildungsministerium nimmt Title-IX-Schutz für LGBTQ-Studierende zurück
Das US-Bildungsministerium hat die Title-IX-Regel von 2024 aufgehoben, die auch Schutz vor Diskriminierung wegen der Geschlechtsidentität vorsah. Es gelten wieder die Vorgaben aus Trumps erster Amtszeit. LGBTQ-Verbände und Opferschutzgruppen kritisieren den Schritt.