In einer wissenschaftlichen Stellungnahme kritisieren 141 Forschende, dass das Bundesfamilienministerium dem queeren Jugendnetzwerk Lambda die Förderung streicht. Es geht um knapp 380.000 Euro im Jahr.
Bild: KI-generiert · Illustration
141 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine Stellungnahme unterzeichnet, die die Streichung der Bundesförderung für das Jugendnetzwerk Lambda scharf kritisiert. Das Papier trägt den Titel „Kündigen, ‚was die Zukunft trägt‘?“ und spielt auf das Jubiläumsmotto des Kinder- und Jugendplans des Bundes an: „Stärken, was die Zukunft trägt“.
Das von Karin Prien (CDU) geführte Familienministerium hat die Rahmenvereinbarung zur Förderung zum Jahresende gekündigt. Damit fällt die Bundesförderung von knapp 380.000 Euro weg, die Infrastruktur und Geschäftsstelle des Verbands absichert. Die Forschenden verlangen eine langfristige Finanzierung. Zu den Unterzeichnenden zählen Francis Seeck von der TH Nürnberg und Maximilian Pichl von der Frankfurt University of Applied Sciences.
In der Stellungnahme heißt es, die Kündigung gefährde „das Aufwachsen queerer junger Menschen und die pluralistische Demokratie“. Queere Jugendliche lebten in „ambivalenten Lebenswelten“: Neben wachsender Sichtbarkeit und rechtlicher Anerkennung erlebten sie weiterhin strukturelle Diskriminierung, Gewalt und soziale Prekarisierung. Professionelle queere Jugendarbeit biete Schutz und Ressourcen. Die Autorinnen und Autoren erinnern zudem an eine „demokratisch-rechtsstaatliche Pflicht zum Minderheitenschutz“.
Das Jugendnetzwerk Lambda ist der einzige bundesweite, gemeinnützige Jugendverband in Deutschland, der sich gezielt an queere Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Es wurde 1990 im damaligen Ostberlin gegründet und im selben Jahr erstmals aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans gefördert. Seit 2018 bestand die nun gekündigte Rahmenvereinbarung.
Ministerin Prien hatte bereits im März gesagt: „Gesellschaftliche Vielfalt ist grundsätzlich positiv, aber als staatliches Förderziel sehe ich das nicht.“ Ihr Ministerium begründet die Kürzung mit der nötigen Haushaltskonsolidierung. Aktivistinnen und Aktivisten halten dagegen, dass die Förderung nur einen Bruchteil dessen ausmache, was der Bund an anderer Stelle bereitwillig ausgebe.
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