Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigen einen deutlichen Rückgang bei Neuntklässlerinnen. Die Autorin spricht von einem „freien Fall“, das Williams Institute mahnt zur Vorsicht, weil Konfidenzintervalle fehlen.
Bild: KI-generiert · Illustration
Eine Auswertung der Psychologin Jean Twenge von der San Diego State University sorgt in den USA für Aufmerksamkeit. Sie stützt sich auf die Youth Risk Behavior Survey (YRBS) der Gesundheitsbehörde CDC, eine regelmäßige Befragung von Schülerinnen und Schülern der Klassen neun bis zwölf. Für 2025 lagen nach der Datenbereinigung 10.710 Fragebögen vor. Twenge veröffentlichte die Zahlen zunächst auf Substack, die Washington Post griff sie auf.
Am stärksten fällt der Rückgang bei den jüngsten Mädchen aus. Bei Neuntklässlerinnen sank der Anteil derer, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichnen, zwischen 2021 und 2025 von 30 auf 17 Prozent. Allein die bisexuelle Selbstbezeichnung ging von 26 auf 13 Prozent zurück. Über alle Mädchen der Klassen neun bis zwölf sank der Wert von 27 Prozent (2023) auf 22 Prozent (2025), bei den Jungen von neun auf sieben Prozent. In der Abschlussklasse liegt der Anteil bei Mädchen mit 25 Prozent fast auf dem Niveau von 2021. Twenge nennt die Entwicklung bei den Jüngsten einen „freien Fall“ und kann sie bislang nicht erklären. Sie will unter anderem die Folgen der Pandemie, politische Entwicklungen und soziale Medien untersuchen.
Jody Herman vom Williams Institute der UCLA warnte in der Washington Post vor voreiligen Schlüssen: Die Auswertung enthalte keine Konfidenzintervalle, ob die Unterschiede statistisch signifikant sind, lasse sich daher nicht beurteilen. Zudem erfasst die Analyse nur Jugendliche, die sich als hetero- oder bisexuell beziehungsweise lesbisch oder schwul einordneten; wer anders antwortete oder unsicher war, fehlt. Aussagen über die queere Jugend insgesamt erlauben die Zahlen deshalb nicht.
Auch andere Daten zeichnen kein einheitliches Bild. Bei jungen Erwachsenen zeigt sich der zunächst vermutete Rückgang nach vollständigen Daten für 2025 nicht, und Erhebungen zur Gesamtbevölkerung weisen einen steigenden Anteil queerer Selbstbezeichnung aus. Konservative Aktivistinnen und Aktivisten feierten die Zahlen als Erfolg der Politik von Donald Trump, obwohl der Rückgang laut queer.de teils schon unter Joe Biden begann.
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