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Anti-Gender-Bewegung

Buchstabe A 68 Begriffe

Die Anti-Gender-Bewegung ist ein länderübergreifendes Bündnis, das sich gegen eine sogenannte „Gender-Ideologie“ richtet. Gemeint sind Gleichstellungspolitik, LGBT-Rechte und die Geschlechterforschung. Als Norm gelten ihr die traditionelle Kernfamilie und ein binäres Geschlechterbild. Synonym werden „Anti-Genderismus“ und „War against Gender“ verwendet.

Der Begriff „Gender“ wurde zum Kampfthema, nachdem die UN-Konferenzen von Kairo (1994) und Peking (1995) sexuelle und reproduktive Rechte anerkannt hatten. Der Vatikan entwickelte daraufhin eine Gegenstrategie, die Gender als Angriff auf die Familie darstellt. Getragen wird die Bewegung heute von christlichen Fundamentalisten, Teilen der Männerrechtsbewegung und rechtspopulistischen bis rechtsextremen Gruppen. Hinzu kommen konservative Kreise verschiedener Religionen.

Sichtbar wurde sie in Frankreich mit „La Manif pour tous“ gegen die Ehe für alle, in Deutschland etwa mit der „Demo für Alle“ und in Polen und Ungarn mit staatlichen Maßnahmen gegen Gender Studies und LGBT-Rechte. Ein Bericht des Europäischen Parlamentarischen Forums beziffert die Mittel für Anti-Gender-Kampagnen in Europa zwischen 2009 und 2018 auf über 700 Millionen US-Dollar, vor allem aus Russland und den USA.

Kritisch gesehen wird schon die Bezeichnung „Gender-Ideologie“: Sie stelle Gleichstellungsanliegen als illegitim dar und beruhe teils auf Missverständnissen der Geschlechterforschung. Judith Butler werde häufig falsch wiedergegeben. In der queeren Community ist der Begriff vor allem deshalb wichtig, weil sich die Bewegung gegen Rechte von LGBTIQ-Menschen richtet und die Existenz trans und intergeschlechtlicher Personen bestreitet oder abwertet. Manche Forschende deuten sie als konservativen Gegenschlag auf erreichte Rechte, andere verweisen auf soziale Ursachen wie Prekarisierung.

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