Als Gay-Panik- oder Trans-Panik-Verteidigung wird eine juristische Strategie bezeichnet, bei der Angeklagte behaupten, sie hätten die Kontrolle verloren, weil sie einen unerwünschten Annäherungsversuch einer Person des gleichen Geschlechts erlebt oder die Transidentität einer Partnerin oder eines Partners entdeckt hätten. Das Ziel ist Freispruch, eine mildere Anklage oder ein geringeres Strafmaß für eine Gewalttat.
Der Begriff „homosexual panic“ geht auf den Psychiater Edward J. Kempf zurück, der ihn 1920 prägte. Kurz stand er 1952 im ersten Diagnosehandbuch DSM-I, in späteren Ausgaben nicht mehr. Die American Psychiatric Association erkennt ihn nicht als Diagnose an. Vor Gericht führte die Strategie selten zu Freisprüchen; häufig wurden Angeklagte aber nur wegen eines weniger schweren Delikts verurteilt oder erhielten mildere Strafen.
Als erster US-Bundesstaat verbot Kalifornien die Strategie 2014 per Gesetz. Nach der englischsprachigen Wikipedia folgten bis Oktober 2026 mindestens 20 weitere Staaten, darunter Illinois, New York, Colorado und Michigan. In Australien wurde die Verteidigung wegen Provokation in allen Bundesstaaten abgeschafft oder eingeschränkt, Neuseeland schaffte sie 2009 ab. Die Rechtslage ändert sich laufend; wer sie im Einzelfall braucht, sollte die aktuelle Gesetzgebung prüfen.