„LGBT-freie Zonen“ nannte man in Polen Kommunen, Landkreise und Woiwodschaften, die sich per Beschluss zur „LGBT-Ideologie“ abgrenzten. Die Beschlüsse entstanden 2019 als Reaktion auf eine LGBT-freundliche Erklärung der Stadt Warschau vom Februar desselben Jahres. Vielfach lobbyierte die katholische Organisation Ordo Iuris dafür. Häufig hießen sie „Lokale Chartas der Familienrechte“ und definierten die Ehe als Verbindung von Mann und Frau, ohne queere Menschen ausdrücklich zu nennen.
Rechtlich durchsetzbar waren die Erklärungen nicht, sie wirkten vor allem symbolisch und stigmatisierend. Bis Juni 2020 hatten rund 100 Gemeinden und fünf Woiwodschaften, zusammen etwa ein Drittel des Landes, solche Beschlüsse gefasst. Eine Online-Karte, der „Atlas des Hasses“, dokumentierte sie und wurde von 43 Europaabgeordneten für den Sacharow-Preis vorgeschlagen.
Die EU reagierte: Das Europäische Parlament verurteilte die Zonen im Dezember 2019 mit 463 zu 107 Stimmen. 2020 wurden sechs Städten Fördermittel für Städtepartnerschaften verweigert. Im September 2021 drohte die Kommission mit dem Entzug von EU-Geldern; mehrere Regionen nahmen ihre Beschlüsse zurück.
Auch polnische Verwaltungsgerichte erklärten Beschlüsse für nichtig, ab Juli 2020 in Gliwice und Radom, im Juni 2022 bestätigte das Oberste Verwaltungsgericht diese Linie. Im Februar 2024 hob ein Warschauer Gericht den letzten Beschluss auf. Nach Wikipedia waren bis zum 24. April 2025 alle entsprechenden Beschlüsse zurückgezogen oder gerichtlich aufgehoben (Stand: Oktober 2026).