Die Weltliga für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage (WLSR) bestand von 1928 bis 1935. Sie war eine wissenschaftlich-politische Vereinigung, die auf Grundlage einer aufgeklärten, naturwissenschaftlich fundierten Sexualmoral die Gesellschaft reformieren wollte. Treibende Kraft war der Berliner Sexualforscher Magnus Hirschfeld. Gegründet wurde die Liga am 3. Juli 1928 in Kopenhagen. Ihr Sitz war das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin.
Ihr Forderungskatalog umfasste zehn Punkte, darunter die Gleichstellung der Geschlechter, die Befreiung der Ehe von kirchlicher und staatlicher Bevormundung, Geburtenregelung, Sexualaufklärung und die „richtige Beurteilung der intersexuellen Varianten, insbesondere auch der homosexuellen Männer und Frauen“. Zu den ersten Präsidenten wurden Hirschfeld, Havelock Ellis und Auguste Forel gewählt. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Helene Stöcker, Margaret Sanger und Alexandra Kollontai.
Kongresse fanden unter anderem 1929 in London, 1930 in Wien und 1932 in Brünn statt. Die Mitgliederzahl ist nicht genau bekannt; geschätzt werden rund 130.000 Mitglieder über angeschlossene Organisationen wie das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee. Nach Hirschfelds Tod lösten Norman Haire und Jonathan Leunbach die Liga 1935 auf. Als Gründe nennt die Literatur eingestellte Aktivitäten der nationalen Sektionen, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse und persönliche Konflikte zwischen den Präsidenten.