HIV-Fachleute schlagen Alarm: Bei einem Berliner Fachtreffen mit rund 50 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft wurden erhebliche Lücken in der HIV-Versorgung benannt, in Deutschland wie international. Seit Jahren kürzen wohlhabende Länder ihre Unterstützung für die globale HIV-Bekämpfung, verstärkt durch jüngste Einschnitte der USA, die Therapie- und Präventionsprogramme weltweit ausgebremst haben. Der Fortschritt sei ins Stocken geraten, sagte Birgit Poniatowski von der International AIDS Society. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt nicht mehr, in Deutschland ist sie zuletzt sogar leicht gestiegen.
Auch hierzulande zeigen sich Lücken: Die Berliner HIV-Schwerpunktärztin Christina Engelhard berichtet, dass Menschen regelmäßig durch das Versorgungsnetz fallen, etwa weil eine Behandlung an fehlender Anschlussfinanzierung scheitert. Christoph Weber vom Checkpoint Berlin nennt fehlende Krankenversicherung und Bürokratie als Ausschlussgründe, die gerade Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus treffen. Wie ungleich die Versorgung regional verteilt ist, verdeutlicht Sven Warminsky aus Sachsen-Anhalt: Dort gibt es nur drei HIV-Schwerpunktpraxen, in Hessen sind es über dreißig, mit entsprechend langen Anfahrtswegen für Betroffene auf dem Land.
Die Fachleute fordern von der Bundesregierung eine stärkere internationale Führungsrolle sowie den Abbau der regionalen Unterschiede. Prävention dürfe nicht aus Spargründen leiden, warnen sie, und kritisieren das geplante Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das Leistungsbereiche mit wachsendem Bedarf begrenzen soll, als Rückschritt zur falschen Zeit.
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