Kanada schafft ab Herbst die letzten verhaltensbezogenen Fragen zur Samenspende ab, die vor allem schwule und bisexuelle Männer betrafen. Künftig entscheiden allein Labortests auf HIV und Hepatitis über die Zulassung.
Bild: KI-generiert (Higgsfield) · Illustration
Ab diesem Herbst streicht Kanada die letzten Fragen zum Sexualverhalten aus dem Zulassungsverfahren für Samenspenden. Bislang mussten Spender Auskunft über analen Geschlechtsverkehr mit neuen oder mehreren Partnern geben – künftig entscheiden ausschließlich Labortests über die Zulassung.
Bis 2024 hatte die Gesundheitsbehörde Health Canada ein pauschales Spendeverbot für Männer verhängt, die in den vorangegangenen drei Monaten Sex mit Männern hatten; auch Eizellenspenderinnen wurden nach Sexualkontakten mit solchen Männern befragt. Die Behörde begründete das Verbot mit einem erhöhten Risiko für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen. 2024 wurde das pauschale Verbot durch die nun ebenfalls gestrichenen verhaltensbezogenen Fragen ersetzt.
Die Regeln für Samen- und Eizellenspenden sollen sicher, nicht diskriminierend und wissenschaftlich begründet sein, erklärte Health Canada zur Ankündigung. Alle Spendenden durchlaufen künftig strenge Tests auf HIV, Hepatitis B und Hepatitis C.
Kritikerinnen und Kritiker der bisherigen Regelung hatten seit Langem argumentiert, dass reine Verhaltensfragen weder Safer-Sex-Praktiken wie Kondome noch die HIV-Präventionsmedikation PrEP berücksichtigten und nicht zwischen monogamen Beziehungen und Kontakten mit wechselnden Partnern unterschieden. Medizinische Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die heutigen Testverfahren – erste Kontrolle, 180 Tage Quarantäne, erneuter Test – das übliche diagnostische Zeitfenster für eine HIV-Infektion von wenigen Wochen deutlich überschreiten.
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