Eine Studie der University of Cambridge zeigt, dass sich sexuell übertragene Shigella-Infektionen unter schwulen und bisexuellen Männern in Großbritannien besonders schnell ausbreiten. Für die Untersuchung werteten die Forschenden 3.514 Fälle aus den Jahren 2004 bis 2020 aus. Zwischen 2015 und 2020 stiegen sexuell übertragene Varianten der bakteriellen Infektion demnach jährlich um 15 Prozent schneller als Übertragungen auf anderen Wegen.
Allein im Jahr 2020 wurden in Großbritannien 2.560 mutmaßlich sexuell übertragene Fälle registriert. Die Erkrankung gilt inzwischen in bestimmten Netzwerken von Männern, die Sex mit Männern haben, als endemisch – besonders ausgeprägt sind die Infektionsraten in London, Brighton und Manchester.
Shigellose äußert sich durch blutigen oder anhaltenden Durchfall und wird durch direkten oder indirekten Mund-Anal-Kontakt übertragen. Bereits eine sehr geringe Menge an Bakterien reicht für eine Ansteckung: Zehn Erreger genügen der Studie zufolge, um eine Infektion auszulösen.
Besorgniserregend ist vor allem die Entwicklung bei den Resistenzen. Mehr als 70 Prozent der sexuell übertragenen Stämme haben inzwischen Resistenzen gegen mindestens ein Antibiotikum entwickelt, bei nicht-sexuell übertragenen Fällen liegt der Anteil bei 40 Prozent. Resistente Varianten verbreiten sich der Untersuchung zufolge zudem 71 Prozent schneller als nicht-resistente.
Die Forschenden fordern gezielte Aufklärungskampagnen für betroffene Communities. Zu den empfohlenen Schutzmaßnahmen zählen ein zweiwöchiger Verzicht auf sexuelle Aktivität nach überstandener Infektion, die offene Angabe der eigenen Sexualanamnese gegenüber Ärztinnen und Ärzten sowie vollständige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen. Angesichts der wachsenden Antibiotikaresistenz sehen Fachleute in gezielter Prävention den wirksameren Hebel als in der Behandlung nach einer bereits erfolgten Ansteckung.
Verwandte Artikel
Schottland: Frau muss nach transfeindlichen Nachrichten zahlen
Eine 67-Jährige aus Port Bannatyne muss nach transfeindlichen Nachrichten an eine trans Frau 500 Pfund Entschädigung zahlen. Der Sheriff nannte es ein klares Hassverbrechen.
New Jersey schützt trans- und reproduktive Gesundheitsversorgung vor Zugriff anderer Bundesstaaten
Ein neues Gesetz verhindert, dass andere US-Bundesstaaten gegen Menschen ermitteln können, die in New Jersey legal reproduktive oder geschlechtsangleichende Versorgung erhalten oder anbieten.
Ofcom ermittelt gegen GB News nach Aussage zu Pride und Pädophilie
Die britische Medienaufsicht Ofcom untersucht GB News nach über 12.000 Beschwerden zu einer Sendung, in der eine Kommentatorin Pride mit Pädophilie in Verbindung brachte. Sender und Moderator distanzierten sich noch live von der Aussage.