Die Influencerin Malívola Alves und ihre Freundin wurden in Alexandria festgenommen und kamen laut Verteidigung gegen Kaution frei. Die Polizei wirft ihnen „sexuell anzügliche“ Gesten in Videos vor.
Bild: KI-generiert · Illustration
In Ägypten sind die brasilianische trans Influencerin Malívola Alves und ihre Freundin Bruna Mercatelli festgenommen worden. Die Polizei nahm die beiden Frauen am Dienstag in der Hafenstadt Alexandria in Gewahrsam. Laut ihrer Verteidigung sind sie inzwischen gegen Kaution wieder frei. Die ägyptischen Behörden bestätigten Kaution und Freilassung zunächst nicht offiziell.
Die Polizei wirft den Frauen vor, in Videos in sozialen Netzwerken „sexuell anzügliche“ Gesten gezeigt und Menschen in der Öffentlichkeit belästigt zu haben. Das Innenministerium erklärte, man habe sie nach der Veröffentlichung der Videos identifiziert; sie hätten die Inhalte gedreht, um mehr Aufrufe zu erzielen. Ihr Anwalt Jonatha Carvalho Matos spricht dagegen von einer Festnahme wegen „obszönen Verhaltens“. Welche konkreten Straftaten ihnen zur Last gelegt werden, blieb zunächst offen.
Alves hatte vor der Festnahme in Videos berichtet, Polizisten hätten sie und ihre Freundin auf eine Wache gebracht und ihre Pässe einbehalten. Dort sei sie auch nach ihrer Geschlechtsidentität gefragt worden. Die Verteidigung gibt an, beide wollten sich dem Verfahren in Freiheit stellen und könnten dafür nach Brasilien zurückkehren. Das brasilianische Außenministerium teilte mit, die Botschaft in Kairo begleite den Fall und leiste konsularische Hilfe. Ägyptische Medien hoben hervor, dass Alves trans ist; eine Zeitung verwendete in der Schlagzeile eine transfeindliche Formulierung. Alves hat mehr als 1,4 Millionen Follower auf Instagram.
Der Fall steht in einem größeren Zusammenhang: In Ägypten sind Handlungen strafbar, die gegen „familiäre Werte“ oder die „öffentliche Moral“ verstoßen, auch bei Ausländerinnen und Ausländern. In den vergangenen Jahren wurden dort wiederholt vor allem Influencerinnen festgenommen, einige erhielten Haftstrafen. Homosexualität ist nicht ausdrücklich verboten, wird aber häufig über Gesetze zur „Ausschweifung“ verfolgt. Human Rights Watch berichtete 2020 von willkürlichen Verhaftungen, unmenschlichen Haftbedingungen und Misshandlungen queerer Menschen durch Sicherheitskräfte. Das Auswärtige Amt warnt außerdem davor, dass ägyptische Behörden Dating-Apps nutzen, um LGBTI aufzuspüren.
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