Die malaysische Regierung will den offiziellen Begriff "LGBT" in Verwaltung und öffentlicher Kommunikation durch "budaya songsang" ersetzen, was so viel wie "abweichende Kultur" bedeutet. Angeordnet hat die Änderung das Büro der stellvertretenden Ministerin für religiöse Angelegenheiten unter Marhamah Rosli, die ihren Schritt im Parlament ausdrücklich mit Algorithmen begründete: Je häufiger der Begriff "LGBT" verwendet, geschrieben oder ausgesprochen werde, desto mehr entsprechende Inhalte würden von Plattformen ausgespielt und dadurch normalisiert.
Menschenrechtsorganisationen widersprechen dieser Argumentation deutlich. Weil der neue Begriff LGBT-Personen entmenschliche, Falschinformationen befeuere und die gefährliche Vorstellung verstärke, queere Menschen müssten "korrigiert" werden, kritisiert ihn die Gruppe Justice for Sisters scharf. Amnesty International Malaysia geht noch weiter: Wer Menschen offiziell als "deviant" etikettiere, verteidige damit keine Moral, sondern legitimiere Hass und Diskriminierung.
Vor diesem rechtlichen Hintergrund wirkt die Begriffsänderung besonders schwer. Gleichgeschlechtliche Handlungen sind in Malaysia strafbar und können mit bis zu 20 Jahren Haft geahndet werden, einen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität gibt es im Land bislang nicht.
International sorgt der Schritt für scharfe Kritik, weil er über reine Symbolpolitik hinausgeht: Wenn eine Regierung queere Identität amtlich als "Abweichung" einstuft, prägt das nach Einschätzung von Aktivist*innen auch behördliches Handeln, etwa bei Bildung, Gesundheitsversorgung oder Polizeiarbeit. Die malaysische Regierung selbst verteidigt die Umbenennung als kulturell notwendig und sieht darin keinen Widerspruch zu den Menschenrechten der Betroffenen.
Verwandte Artikel
Delaware: Bar zum zweiten Mal wegen Diskriminierung einer trans Frau bestraft
Eine Bar in Delaware muss zum zweiten Mal eine Strafe zahlen, weil sie einer trans Frau den Zugang zur Damentoilette verweigerte und sie später des Lokals verwies. Die Menschenrechtskommission verhängte 15.000 Dollar Bußgeld und ordnete Schulungen an.
Kanada streicht letzte Hürden für schwule und bisexuelle Samenspender
Health Canada streicht ab Herbst 2026 die letzten Fragen zum Sexualverhalten aus dem Spendertest für Sperma. Damit endet ein jahrzehntelanger Streit um den Ausschluss schwuler und bisexueller Männer.
Ehemalige PepsiCo-Mitarbeiterin verklagt Konzern wegen jahrelanger homophober Belästigung
Eine schwule Frau, die bis Dezember 2025 für PepsiCo in der Lagerlogistik arbeitete, klagt gegen ihren früheren Arbeitgeber. Sie wirft dem Unternehmen vor, homophobe Belästigung durch Kollegen ignoriert und sie nach ihrer Kündigung fallengelassen zu haben.