Bei einer Polizeirazzia auf einer privaten Feier in Freetown wurden Dutzende schwule Männer festgenommen. Sierra Leone kriminalisiert einvernehmliche Handlungen zwischen Männern noch immer nach einem Gesetz aus der britischen Kolonialzeit.
Bild: KI-generiert · Illustration
In Sierra Leones Hauptstadt Freetown hat die Polizei am 7. September eine private Feier für schwule Männer gestürmt und Dutzende Gäste festgenommen. Rund zehn Beamte durchsuchten nach Angaben von Teilnehmern mitten in der Nacht ein Zimmer im Hill Valley Hotel in den Hügeln oberhalb der Stadt, wo sich nach Schätzungen von Aktivisten fünfzig bis sechzig Menschen versammelt hatten.
Die Polizei begründete den Einsatz damit, die Zusammenkunft habe geeignet sein können, den öffentlichen Frieden zu stören, und verwies auf die sogenannten Buggery-Gesetze des Landes. Sie stammen aus dem Jahr 1861, aus der britischen Kolonialzeit, und blieben auch nach der Unabhängigkeit 1961 in Kraft. Sie drohen für einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern Haftstrafen von zehn Jahren bis lebenslänglich an.
George Reginald Freeman Browne, der die Organisation Pride Equality leitet, konnte mit einem weiteren Mann, Edwin Bolaji Deen, aus dem Hotel entkommen. Gegen beide liegen inzwischen Haftbefehle vor. Browne beschrieb die Veranstaltung gegenüber der Zeitung Daybreak News als einen der wenigen Orte, an denen sich schwule Männer im Land unbeobachtet treffen konnten. Nach der Razzia habe es zudem Erpressungsversuche gegeben, außerdem seien Betroffene in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden.
Die Menschenrechtsorganisation Human Dignity Trust beobachtet den Fall. Sierra Leone gehört zu den Ländern, in denen internationale Menschenrechtsgruppen seit Jahren auf eine Abschaffung der Kolonialgesetze drängen, bislang ohne Erfolg. Wie viele der Festgenommenen inzwischen wieder freigelassen wurden, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht bekannt.
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