Human Rights Watch dokumentiert eine Verhaftungswelle in Senegal. Seit März drohen bis zu zehn Jahre Haft. Mindestens 84 Festgenommene wurden wegen „vorsätzlicher HIV-Übertragung“ angeklagt, viele meiden nun die Behandlung.
In Senegal gehen die Behörden hart gegen LGBTQ-Personen vor. Das geht aus einem Bericht von Human Rights Watch (HRW) vom 12. Oktober hervor. Viele Betroffene tauchen demnach unter, manche meiden sogar die medizinische Versorgung.
Im März 2026 verdoppelte das Parlament die Höchststrafe für gleichgeschlechtliche Beziehungen auf zehn Jahre Haft. Das Gesetz stellt außerdem Werbung und Finanzierung zugunsten von Homosexualität unter Strafe. Schon zuvor wurde das Verbot „widernatürlicher Handlungen“ angewendet, das gleichgeschlechtliche Handlungen mit Nekrophilie und Sodomie in einen Topf wirft. Strafbar sind sie seit 1965.
Offizielle Festnahmezahlen gibt es nicht. Das Dakarer Menschenrechtsforum African Forum for the Defense of Human Rights schätzt mindestens 212 Festnahmen zwischen Februar und Juli. Das HIV Justice Network kommt für denselben Zeitraum auf 320. Mindestens 84 der Festgenommenen wurden wegen „vorsätzlicher HIV-Übertragung“ angeklagt, allein aufgrund ihres positiven Status. Ob Kondome oder andere Schutzmaßnahmen im Spiel waren, spielte laut Bericht keine Rolle. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP wurden Festgenommene auf HIV getestet; ihre Namen und ihr Status tauchten später in den Medien auf.
Die Behörden nennen als Anlass für Festnahmen beschlagnahmte Handys anderer Festgenommener, Anschuldigungen Dritter und gelegentliche Razzien in Privaträumen.
Die Folgen reichen bis in die Gesundheitsversorgung. HRW zufolge scheuen Menschen aus Angst vor Outing und Strafverfolgung Tests und Behandlung. Ein Arzt aus Dakar berichtet, ein Drittel seiner Patientinnen und Patienten komme nicht mehr zu den Terminen für die HIV-Therapie. Larissa Kojoué von HRW sagt, queere Menschen schränkten ihren Alltag ein und verzichteten aus Angst vor Festnahme und Stigma auf ihre Rechte. HRW fordert von der Regierung, die Verfolgung zu beenden.
Senegal gehört zu mindestens 30 afrikanischen Staaten, die gleichgeschlechtliche Intimität kriminalisieren. Mit der neuen Höchststrafe reiht sich das Land neben Kenia, Sierra Leone und Tansania ein, wo ebenfalls mindestens zehn Jahre Haft drohen. In Somalia, Uganda und Mauretanien kann sogar die Todesstrafe verhängt werden.
Verwandte Artikel
Lula gewinnt Stichwahl in Brasilien – queere Community atmet auf
Luiz Inácio Lula da Silva bleibt Präsident Brasiliens: Mit 51,8 Prozent setzt er sich gegen Flávio Bolsonaro durch. Für queere Menschen im Land steht dabei viel auf dem Spiel.
Taiwan Pride: „Gute“ und „schlechte“ queere Menschen gibt es nicht
Vor dem Umzug am 31. Oktober in Taipeh stellt sich die Taiwan Pride hinter queere Menschen mit Behinderung, mit HIV und aus der Fetisch-Community. Anlass ist eine Polizeirazzia in einer schwulen Bar.
Haiti verschiebt Wahlen erneut – LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor politischer Krise
Seit zehn Jahren hat Haiti nicht gewählt. Nun ist auch der Termin im Dezember 2026 auf unbestimmte Zeit verschoben. Queere Aktivisten fordern einen verbindlichen Zeitplan.