Das Parlament des Senegal hat einstimmig eine Verfassungsänderung verabschiedet, die Ehe binär definiert und queere Rechte weiter einschränkt. Sie folgt auf ein verschärftes Anti-Homosexuellen-Gesetz vom April 2026.
Der Senegal hat die Ehe in seiner Verfassung nun ausdrücklich als Verbindung zwischen Mann und Frau festgeschrieben. Das Parlament stimmte einstimmig mit 129 Stimmen für die Änderung – Gegenstimmen gab es keine. Bislang enthielt Artikel 17 der Verfassung eine offenere Formulierung, die Ehe und Familie als "natürliche und moralische Grundlage der menschlichen Gesellschaft" beschrieb. Diese Offenheit ist damit Geschichte.
Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen stehen im Senegal bereits seit 1965 unter Strafe. Im April 2026 verschärfte das Land sein Anti-Homosexuellen-Gesetz zusätzlich: Die Höchststrafe verdoppelte sich auf zehn Jahre Haft. Seither kam es nach Berichten zu hunderten Festnahmen schwuler Männer.
Die neue Verfassungsbestimmung geht über die reine Ehedefinition hinaus. Sie schreibt ein binäres Geschlechterverständnis fest und benachteiligt damit auch intersexuelle Menschen. Politische Aktivitäten, die sich für LGBTIQ+-Rechte einsetzen, sind nun verfassungsrechtlich ausgeschlossen. Beobachter werten den Schritt als weiteren Rückschlag für queere Rechte im frankophonen Afrika, wo sich mehrere Staaten in den vergangenen Jahren ähnlich restriktiv positioniert haben.
Hinter dem Timing vermuten Analysten innenpolitisches Kalkül. Die Regierungspartei habe nach der Entlassung des vorherigen Premierministers mit wachsenden Spannungen im Land zu kämpfen gehabt. Eine Verfassungsänderung, die sich gegen eine ohnehin bereits stark stigmatisierte Minderheit richtet, lasse sich politisch leicht durchsetzen und lenke zugleich von anderen Konflikten ab – eine Strategie, die in der Region keine Seltenheit ist.
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