Volker Türk spricht bei der UN-Generalversammlung von einem koordinierten globalen Rückschlag gegen LGBTIQ+-Rechte. Neun von zehn queeren Organisationen weltweit haben seit dem US-Hilfsstopp Fördermittel verloren.
Bild: KI-generiert · Illustration
Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, warnt vor einer weltweiten Verschärfung der Verfolgung queerer Menschen. Bei einer Veranstaltung der UN-LGBTI-Kerngruppe am Rande der Generalversammlung in New York sprach er von einem „umfassenden Angriff", der koordiniert und tief verwurzelt sei. Politische Akteure nutzten Vorurteile gezielt für Wahlkämpfe, sagte Türk, und verpackten Ausgrenzung in die Sprache von Anstand und Moral.
Als Beispiele nannte er Razzien gegen die queere Community in Istanbul und weiteren türkischen Städten sowie die Verschärfung der Strafbarkeit einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Senegal Anfang des Jahres. In mehreren Staaten stufen Regierungen LGBTIQ+-Organisationen inzwischen offiziell als Terroristen oder als Bedrohung für die nationale Sicherheit ein - eine Formulierung, die Menschenrechtsgruppen seit Jahren als Vorwand für Verbote kritisieren.
Zahlen liefert eine aktuelle Erhebung von Outright International: Neun von zehn queeren und intergeschlechtlichen Organisationen weltweit haben seit Januar 2025 Fördermittel verloren, nachdem die Trump-Vance-Regierung die US-Auslandshilfe eingefroren hatte. Zu dem New Yorker Treffen selbst schickten die USA keine offizielle Delegation mehr. Sie waren bereits 2025 aus der Kerngruppe ausgetreten, die sich für die Rechte queerer Menschen in der UN-Diplomatie einsetzt.
Andere Staaten kündigten während der Veranstaltung zusätzliche Unterstützung an. Die Niederlande sagten 50 Millionen Euro zu, Großbritannien 21 Millionen Pfund für die Jahre 2026 bis 2029. Ob solche Zusagen den finanziellen Einbruch durch den Rückzug der USA ausgleichen, ließ Türk offen. Die internationale Schutzarchitektur für queere Menschen gerät nach seinen Worten zunehmend unter Druck, während sich der politische Wille zur Gegenwehr von Land zu Land stark unterscheidet.
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