Alice Weidel, Bundesvorsitzende der AfD, hat sich öffentlich von Formulierungen im Wahlprogramm des Landesverbands Sachsen-Anhalt distanziert. Das Papier definiert die „intakte Familie“ als Verbindung aus Mutter, Vater und Kindern und beklagt, „sexuelle Abweichungen“ würden gesellschaftlich stärker beworben als traditionelle Familienmodelle. Die Partei will zudem Förderprogramme für queere Projekte streichen und die Mittel stattdessen in „Religion, Brauchtum und Kultur“ umlenken.
Auf die Frage, wie sie zu diesen Formulierungen steht, sagte Weidel: „Die können reinschreiben, was sie wollen. Ich lebe etwas anderes.“ Seit Jahren lebt die AfD-Chefin mit einer Frau zusammen und zieht mit ihr zwei Kinder groß. Ihre Kinder hätten, so Weidel, „die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen“; gleichgeschlechtliche Beziehungen müssten „gleichwertig behandelt“ werden.
Die Aussage markiert einen ungewöhnlichen Bruch: Bislang hatte sich Weidel kaum öffentlich zu ihrer eigenen Lebensrealität in Widerspruch zur Programmatik ihrer Partei geäußert. 2023 hatte sie noch erklärt, sie sei „nicht queer“, und sich gegen die Ehe für alle positioniert – obwohl sie selbst mit ihrer Partnerin verheiratet ist. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihr seit Jahren vor, ihre eigene Lebensform von den politischen Zielen ihrer Partei zu trennen, die queere Sichtbarkeit und Gleichstellung einschränken wollen.
Das Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt steht dabei nicht allein: Ähnliche Formulierungen zum „traditionellen Familienbild“ finden sich in AfD-Programmen mehrerer Landesverbände. Weidels öffentlicher Widerspruch ändert nichts an der Beschlusslage der Partei, dürfte parteiintern aber neu befeuern, wie sich die Vorsitzende zu den eigenen familienpolitischen Positionen verhält – zumal Sachsen-Anhalt zu den Bundesländern zählt, in denen die AfD zuletzt besonders starke Umfragewerte erzielte.
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