Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 könnte die Stadt nach über zehn Jahren wieder einen offen homosexuellen Regierenden Bürgermeister bekommen. Sowohl der CDU- als auch der Grünen-Spitzenkandidat sind schwul.
Für die CDU rückt Finanzsenator Stefan Evers nach, nachdem der bisherige Amtsinhaber Kai Wegner nach Kritik an seinem Umgang mit einem Stromausfall im Januar seinen Rückzug erklärt hatte. Die CDU-Kreisvorsitzenden nominierten Evers am Freitag, die endgültige Bestätigung durch den Landesvorstand wird für Montag erwartet. Der 46-Jährige sitzt seit 2011 im Abgeordnetenhaus, hat Jura studiert und gewann sein Direktmandat in Treptow-Köpenick 3 im Februar 2023 mit 32,7 Prozent. Seit Mai verantwortet er zusätzlich die Bereiche Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt, nachdem Sarah Wedl-Wilson zurückgetreten war. Evers engagiert sich seit Jahren gegen queerfeindliche Gewalt und für queere Kulturprojekte. Zu seiner Nominierung erklärte er: „Ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.“ In der Partei gilt seine Ausgangslage als schwierig, viele setzen jedoch große Erwartungen in seine Fähigkeit zu einer politischen Aufholjagd.
Die Grünen hatten ihren Fraktionsvorsitzenden Werner Graf bereits im November 2025 zum Spitzenkandidaten gekürt.
Der letzte offen schwule Regierende Bürgermeister Berlins war der SPD-Politiker Klaus Wowereit, der die Stadt von 2001 bis 2014 führte und mit dem Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ bundesweit bekannt wurde.
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