Der aus Nigeria geflohene Fußballer Evans Ogbajie wird in Italien seit Wochen bedroht, sein Auto wurde nun mit homophoben Beschimpfungen beschmiert. Er ist Torschützenkönig seiner Liga und fühlt sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr sicher.
Vor seiner Wohnung in Marano Vicentino fand der offen bisexuelle Fußballer Evans Ogbajie am 6. Juli seinen Citroën C4 mit tiefen Kratzern übersät, eine obszöne Zeichnung auf der Motorhaube, dazu Beschimpfungen wie "Schlampe" und "Gay" ins Blech geritzt. Das hintere Kennzeichen war abgerissen und weggeworfen worden. Die Reparatur wird laut Schätzungen rund 3.000 Euro kosten – Geld, das Ogbajie selbst aufbringen muss, da seine Versicherung Vandalismusschäden nicht abdeckt.
Der Angriff auf das Auto ist nach Angaben der Zeitung Corriere del Veneto kein Einzelfall, sondern die Zuspitzung einer länger andauernden Einschüchterung. Bis zu dreimal pro Woche erhält der 26-Jährige demnach anonyme Anrufe mit verbalen Beleidigungen. Ein kleinerer Kratzer eine Woche zuvor hatte noch wie ein isolierter Vorfall gewirkt. Ogbajie arbeitet an einer Tankstelle und ist in seiner Liga, der italienischen Seconda Categoria, aktuell Torschützenkönig.
Seinen Weg nach Italien hat Ogbajie unter Bedingungen zurückgelegt, die die aktuelle Bedrohung in ein anderes Licht rücken. Aus dem nigerianischen Bundesstaat Abia floh er vor massiver familiärer Gewalt – sein Vater lehnte Fußball als "zu feminin" ab und verbrannte ihm einst die Fußballschuhe. Nach dem Tod der Mutter, Ogbajie war zehn Jahre alt, eskalierte die Gewalt des Vaters weiter, bis er mit sechzehn floh. Er durchquerte die Sahara Richtung Libyen und bestieg dort ein Boot nach Lampedusa; von 120 Menschen an Bord überlebten 76 die Überfahrt.
Sein Verein Silva Marano hat sich solidarisch gezeigt und Videomaterial für die Ermittlungen angeboten. Ogbajie erstattete bei den Carabinieri Anzeige; Überwachungskameras in der Nachbarschaft könnten die Tat aufgezeichnet haben. In der eigenen Wohnung, sagt er, fühle er sich inzwischen trotzdem nicht mehr sicher.
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