Ein neues Gesetz in New Hampshire zwingt Lehrkräfte, Eltern über die Geschlechtsidentität ihrer Kinder zu informieren – auch gegen den Willen der Betroffenen.
Die Gouverneurin von New Hampshire, die Republikanerin Kelly Ayotte, hat im Juli 2026 ein Gesetz unterzeichnet, das Lehrkräfte zur Offenlegung der Geschlechtsidentität ihrer Schülerinnen und Schüler gegenüber den Erziehungsberechtigten verpflichtet. Das als SB 430 bekannte Gesetz verlangt von Schulpersonal, auf schriftliche Anfragen von Eltern zu "materiellen Informationen" über ihr Kind zu antworten – dazu zählt laut Gesetzestext ausdrücklich auch die Geschlechtsidentität. Das gilt selbst dann, wenn betroffene Jugendliche um Vertraulichkeit gebeten oder Sicherheitsbedenken geäußert haben.
Die Gouverneurin selbst beschreibt das Gesetz zurückhaltend als Regelung zur "verpflichtenden Offenlegung durch Schulbezirksangestellte". Der republikanische Senator Tim Lang, der die Initiative vorantrieb, verteidigt sie als Frage des Elternrechts: "Warum sollte es nicht angemessen sein, dass Eltern fragen: Bemerken Sie etwas bei meinem Kind?"
Lehrergewerkschaften und LGBTIQ+-Organisationen widersprechen deutlich. Megan Tuttle, Präsidentin der Lehrergewerkschaft NEA-New Hampshire, warnt, das Gesetz sei vage formuliert und dränge Lehrkräfte faktisch in die Rolle, Schüler gegen deren Willen zu outen. Aimee Terravechia von der Organisation 603 Equality sieht das Vertrauensverhältnis zwischen Schule und Jugendlichen gefährdet: Eine Position, die Lehrkräfte zu Überwachung und Meldung verpflichtet, untergrabe genau das Klima, das Schulen eigentlich fördern sollten.
Das neue Gesetz hebt faktisch ein Urteil des obersten Gerichts von New Hampshire aus dem Jahr 2024 aus, das die Privatsphäre von Schülerinnen und Schülern in dieser Frage noch geschützt hatte. Die Richter argumentierten damals, Eltern hätten auch ohne eine solche Verpflichtung ausreichend Möglichkeiten, sich über ihre Kinder zu informieren – etwa im direkten Gespräch. Kritiker befürchten nun, dass das Gesetz vor allem trans Jugendliche in nicht unterstützenden Elternhäusern zusätzlicher Gefahr aussetzt.
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