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Frankfurter Forscherin sucht Michelangelos Vorgänger: Homoerotische Dichtung der Renaissance

Wissenschaft & Bildung

Die Romanistin Christine Ott untersucht an der Goethe-Universität bislang unerforschte homoerotische Gedichte des 14. bis 16. Jahrhunderts. Die Volkswagenstiftung fördert das Projekt.

Frankfurter Forscherin sucht Michelangelos Vorgänger: Homoerotische Dichtung der Renaissance

Bild: KI-generiert · Illustration

Michelangelos Liebeslyrik an junge Männer galt lange als einzigartig. Die Romanistin Christine Ott von der Goethe-Universität Frankfurt will zeigen, dass er damit nicht allein war. Ihr Projekt trägt den Arbeitstitel „Michelangelo und seine Brüder. Homoerotische Dichtung in der frühen Neuzeit“. Die Volkswagenstiftung fördert es mit einer Opus-Magnum-Förderung: Ott wird für anderthalb Jahre von der Lehre freigestellt, die Stiftung finanziert eine Vertretung.

Michelangelos Gedichte gelten als erste große Sammlung volkssprachlicher Texte, in denen solche Gefühle zur Sprache kamen, die damals verboten waren. Homosexuelle Handlungen konnten mit dem Tod bestraft werden. Ott geht nach Angaben der Universität davon aus, dass sich schon rund 150 Jahre vor Michelangelo Dichtergemeinschaften gebildet hatten, in deren Texten Beziehungen zwischen Männern eine Rolle spielen. Die Quellen stammen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und sind bislang kaum erforscht.

Es gehe ihr darum, welche Funktion diese Gedichte hatten und wie sie aufgenommen und weitergegeben wurden, sagt Ott. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Sie ist nach Angaben der Universität aber schon jetzt überzeugt, dass die Männlichkeitsentwürfe in den Texten erstaunlich aktuell wirken. Geplant sind ein Buch und eine Edition mit rund 100 ausgewählten Kurztexten.

Dass die homoerotische Seite von Michelangelos Dichtung lange verdeckt blieb, hat eine eigene Geschichte. Sein Großneffe veröffentlichte die Gedichte 1623 mit veränderten Pronomen, aus männlichen Adressaten wurden Frauen. Erst die englische Übersetzung von John Addington Symonds stellte 1878 die ursprünglichen Geschlechter wieder her.

Ott hat sich schon mit Michelangelo beschäftigt: 2024 erschien ihre Studie „Cambiare pelle“ über Subjektivität und Kreativität in seiner Lyrik. Über das neue Projekt berichtete queer.de unter Verweis auf die Mitteilung der Universität.

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