Eine neue Pilotstudie der dgti untersucht, wie trans*, inter*, nicht-binäre und agender Personen in Rheinland-Pfalz zwischen 1933 und 1945 verfolgt wurden. Es ist laut Bericht die erste systematische Aufarbeitung für ein ganzes Bundesland.
Bild: KI-generiert · Illustration
In Mainz ist eine Pilotstudie zur Verfolgung von trans*, inter*, nicht-binären und agender Personen (tina*) im Nationalsozialismus vorgestellt worden. Der Titel: „Verfolgung, Benachteiligung und Lebensrealitäten trans*, inter, nicht-binärer und agender Personen im Nationalsozialismus (1933–1945) in Rheinland-Pfalz“. Herausgegeben hat sie die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti), finanziert wurde sie vom Sozialministerium des Landes. Nach Angaben von queer.de handelt es sich um die erste systematische wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Verfolgung für ein ganzes Bundesland.
Die Forschungsergebnisse stellte Dr. Dana Mahr vor, an der Arbeit waren unter anderen Jako Wende, Damir Padieu, Janka Kluge und Dr. Rainer Herrn beteiligt. Die Forschenden werteten Polizei- und Gerichtsakten nach dem Ansatz „Queering Archives“ aus: Sie lasen die Dokumente gegen den Strich, suchten nach lokalen Netzwerken, verknüpften biografische Spuren und griffen Hinweise aus der Community auf.
Ein zentraler Befund: Die Repression ging nicht von einer einzelnen Behörde aus. Polizei, Justiz und Medizin wirkten zusammen, und medizinische Diagnosen halfen wesentlich, die Verfolgung zu legitimieren. Als Beispiel nennt der Bericht Maria Einsmann, die zwischen 1919 und 1931 in Männerkleidung als Joseph Einsmann lebte, um ihre Freundin Helene Müller und deren Kinder zu ernähren.
Fallzahlen nennt der Bericht nicht. Die Studie ist auf der Website der dgti öffentlich abrufbar. Geplant ist ein Folgeprojekt zur vertieften Quellenforschung, das erneut das Sozialministerium fördern soll. Rheinland-Pfalz arbeitet die Verfolgung queerer Menschen nach Angaben des Berichts seit 2012 auf.
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