Claude Cahun, geboren 1894 als Lucy Renée Mathilde Schwob, war eine französische Fotografin, Schriftstellerin und Surrealistin. Zeit ihres Lebens lehnte sie eine eindeutige Einordnung in männlich oder weiblich ab: „Männlich? Weiblich? Das hängt von der Situation ab. Neutrum ist das einzige Geschlecht, das mir immer passt“, schrieb sie in ihrer Autobiografie „Aveux non avenus“ von 1930. Der gewählte Name Claude funktioniert im Französischen sowohl als männlicher wie als weiblicher Vorname.
Bekannt wurde Cahun vor allem durch ihre Selbstporträts, in denen sie mit wechselnden Rollen, Kostümen und Identitäten experimentierte, Arbeiten, die heute als frühe Auseinandersetzung mit Geschlecht als Konstruktion gelesen werden. Gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin, der Grafikerin Suzanne Malherbe, die unter dem Namen Marcel Moore arbeitete, betrieb sie in Paris einen einflussreichen Salon im surrealistischen Umfeld und engagierte sich in der antifaschistischen Gruppe Contre-Attaque.
Während der deutschen Besatzung der Kanalinsel Jersey leisteten Cahun und Malherbe Widerstand, indem sie deutsche Soldaten mit Flugblättern zur Befehlsverweigerung aufriefen. Beide wurden 1944 verhaftet und zum Tode verurteilt, das Urteil aber nach der Befreiung der Insel nicht vollstreckt. Cahun starb 1954 auf Jersey.