„Tunte“ bezeichnet einen homosexuellen Mann mit betont femininem, affektiertem Auftreten. Lange war das Wort ein Schimpfwort. Das Bild des effeminierten Homosexuellen kam wahrscheinlich im späten 18. Jahrhundert aus Frankreich nach Deutschland, vor allem nach Berlin. Vom späten 19. Jahrhundert bis zur Zwischenkriegszeit diente es als Warnbild vor einer vermeintlich verweichlichten Gesellschaft. Nach 1945 machte die Öffentlichkeit Tunten zu Kuriositäten, während schwule Kreise sie für das schlechte Bild von Schwulen verantwortlich machten.
Seit den 1970er Jahren wird der Begriff in der Szene aufgewertet. Bekannte Tunten eigneten sich das Wort selbstbewusst an und stellten sich gegen die Ablehnung weiblicher Kleidung unter Schwulen. Rosa von Praunheim beschrieb Tunten 1971 als weniger verlogen als „spießige Schwule“, weil sie gesellschaftliche Normen infrage stellen. Der Tuntenstreit von 1973 gilt als Wendepunkt. Ende der 1980er Jahre prägten sogenannte Polittunten das Berliner SchwuZ und engagierten sich in der AIDS-Aufklärung.
Von Dragqueens unterscheiden sich Tunten dadurch, dass sie keine glamouröse Weiblichkeit darstellen, sondern eher „die Frau von nebenan“. Ihre Kleidung, der „Fummel“, gehört auch außerhalb der Bühne dazu und drückt den weiblichen Teil ihrer Geschlechtsidentität aus. Drag gilt dagegen eher als individualistisch und unpolitisch.