Letsweletse Motshidiemang klagte mit 21 Jahren gegen Botswanas Anti-Homosexuellen-Gesetz und gewann. Im März 2026 strich die Regierung die Strafnorm formal aus dem Gesetzbuch – der Lehrer mahnt trotzdem: Diskriminierung besteht weiter fort.
Bild: KI-generiert · Illustration
Letsweletse Motshidiemang war 21 Jahre alt, als er die Regierung von Botswana verklagte. Der Setswana-Lehrer aus dem Nordwesten des Landes focht damit ein Gesetz an, das gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe stellte – bis zu sieben Jahre Haft drohten. Mit Unterstützung von Organisationen wie Legabibo, Bonela und dem Southern Africa Litigation Centre erklärte das High Court die Regelung 2019 für verfassungswidrig, 2021 bestätigte das Berufungsgericht das Urteil. Im März 2026 strich die Regierung die Strafnorm schließlich formal aus dem Strafgesetzbuch.
Heute unterrichtet Motshidiemang weiterhin und blickt zugleich auf die Zeit nach dem juristischen Sieg. Von einem Ende der Diskriminierung will er nicht sprechen: "Der Kampf ist nicht vorbei. Wir erleben weiterhin Diskriminierung, Ablehnung, Gewalt und Homophobie." Er fordert einen gesellschaftlichen Wandel, der über die Gesetzesänderung hinausgeht – Sicherheit, Gleichheit, Würde und Schutz für alle, unabhängig davon, wer sie sind oder wen sie lieben.
International gilt Botswana inzwischen als Referenzfall: UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk nannte das Land ein Beispiel für weltweiten Fortschritt bei LGBTIQ+-Rechten. Vor der Streichung des Straftatbestands hatten mehrere Nachbarländer im südlichen Afrika ähnliche Kolonialgesetze noch in Kraft; Botswanas Weg über Gerichtsurteile und erst Jahre später über die formale Gesetzesänderung gilt Aktivistinnen und Aktivisten in der Region seither als mögliches Vorbild. Für Motshidiemang selbst bleibt die eigentliche Arbeit im Alltag der Menschen im Land – nicht im Gesetzestext.
Verwandte Artikel
141 Organisationen warnen Frankreich vor eigener UN-Resolution gegen Homosexualitäts-Gesetze
Frankreich plant im UN-Menschenrechtsrat eine Resolution gegen Kriminalisierungsgesetze für gleichgeschlechtliche Beziehungen. 141 Organisationen aus betroffenen Ländern warnen: Die Initiative könnte lokale Aktivist:innen gefährden.
Senegal: 28 wegen Homosexualität Angeklagte freigelassen – Staatsanwaltschaft legt Berufung ein
Ein Gericht in Senegal hat 28 von 99 wegen homosexueller Handlungen angeklagten Männern die Anklage fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, die übrigen 71 bleiben angeklagt – seit April 2026 drohen in Senegal bis zu zehn Jahre Haft.
Fehlerhafte Afrika-Karte bei US-Präsentation zur AIDS-Konferenz sorgt für Wirbel
Bei einer Präsentation des US-Außenministeriums zur AIDS-2026-Konferenz in Rio de Janeiro landete Nigeria als Binnenland auf der Karte, Mosambik nördlich von Uganda. Kritiker sehen darin mehr als einen Ausrutscher – parallel wird die HIV-Hilfe für Afrika massiv gekürzt.