Die Istanbuler Staatsanwaltschaft wirft dem Sänger Mabel Matiz Obszönität vor, weil in seinem Video „Ha Leylim“ zwei Männer miteinander tanzen. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft.
Bild: KI-generiert · Illustration
Die Staatsanwaltschaft Istanbul hat den Sänger Mabel Matiz, bürgerlich Fatih Karaca, erneut angeklagt. Sie wirft ihm vor, obszöne Bilder, Texte oder Äußerungen über Presse und Rundfunk verbreitet zu haben. Auf den Tatbestand stehen zwischen sechs Monaten und drei Jahren Haft, dazu kommt eine Geldstrafe.
Anlass ist das im August veröffentlichte Video zu „Ha Leylim“, das bisher rund 14 Millionen Mal aufgerufen wurde. Gezeigt wird eine Hochzeitsgesellschaft. Zwei Männer tanzen miteinander, ohne sich zu berühren; der Bräutigam legt die Jacke ab, bleibt aber in Weste und Hemd. Laut Staatsanwaltschaft haben Liedtext und die Darstellung der tanzenden Männer „die allgemein anerkannten Grenzen der öffentlichen Moral überschritten“.
Matiz, 41, setzt sich für die queere Community ein. Zur Anklage sagte er: „Zwei Menschen, die sich ansehen und gemeinsam tanzen, begehen kein Verbrechen.“ Das Video sei Kunst und offen für Deutungen. Er vermutet, dass sich der Vorwurf in Wahrheit auf seine öffentlich bekannte Homosexualität bezieht.
Es ist nicht das erste Verfahren gegen ihn. Wegen seines Liedes „Perperişan“ aus dem Jahr 2025 wurde er angeklagt und im Mai 2026 freigesprochen, weil die Beweise nicht ausreichten. Seit August darf er die Türkei nicht verlassen.
Die Anklage fällt in eine Phase verschärfter Repression. Im September gab es landesweit Razzien gegen queere Organisationen und Bars. LGBTI-Websites wurden gesperrt, ebenso die Nachrichtenseite T24 wegen angeblicher „LGBT-Propaganda“. Der CSD in Istanbul wird seit Jahren verboten. Die Regierung von Präsident Erdoğan begründet ihr Vorgehen mit der Initiative „Meine Familie ist sicher“.
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