Im US-Kongress macht ein Gesetzentwurf die Runde, der Bibliotheken und Schulen empfindlich treffen könnte. Der „Stop the Sexualization of Children Act“ (S.B. 4925) wurde am 24. Juni dem Ausschuss für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten im Senat zugewiesen. Er definiert „sexuell orientiertes Material“ denkbar weit: erfasst werden sollen nicht nur Nacktheit oder anzügliche Tanzdarbietungen, sondern ausdrücklich auch alles, was sich mit „Geschlechtsdysphorie oder Transgenderismus“ befasst.
Praktisch würde das Gesetz den Elementary and Secondary Education Act von 1965 ändern und Schulen untersagen, Bundesmittel für Materialien einzusetzen, die unter diese Definition fallen. Im Repräsentantenhaus liegt mit H.B. 7661 bereits eine wortgleiche Fassung vor, die im März den zuständigen Bildungsausschuss passiert hat. Eine Abstimmung im Plenum von Senat oder Repräsentantenhaus steht bislang nicht auf der Tagesordnung.
Die American Library Association (ALA) schlägt trotzdem Alarm. Verbandspräsident Sam Helmick kritisiert die Formulierung als gefährlich unscharf: Das Gesetz behandle siebzehnjährige Jugendliche wie Kindergartenkinder, so seine Einschätzung. Bibliotheksverbände fürchten, dass unter der vagen Definition praktisch jedes Buch mit trans Figuren oder Aufklärungsinhalten aus Schulbibliotheken verschwinden könnte – unabhängig vom Alter der Zielgruppe.
Der Entwurf reiht sich ein in eine wachsende Zahl US-amerikanischer Initiativen, die den Zugang zu Informationen über Geschlechtsidentität in Schulen einschränken wollen. Kritiker sehen darin weniger Kinderschutz als den Versuch, trans Lebensrealitäten aus dem öffentlichen Bildungssystem zu verdrängen.
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