Brotherboy ist die Selbstbezeichnung, die Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Communitys in Australien für trans Männer und maskuline Personen innerhalb ihrer Kultur verwenden. Der Begriff ergänzt „Sistergirl", die entsprechende Bezeichnung für trans Frauen und feminine Personen, und markiert zugleich kulturelle Zugehörigkeit zur jeweiligen indigenen Gemeinschaft.
Wie bei Sistergirls variiert die soziale Rolle von Brotherboys je nach Sprachgruppe und Region; in vielen Gemeinschaften bestanden vor der Kolonisierung eigene, von starren Zweigeschlechtlichkeit unabhängige Rollenkonzepte, die durch koloniale Gesetzgebung und Missionierung weitgehend verdrängt wurden. Die heutige Verwendung des Begriffs ist auch ein Akt kultureller Rückgewinnung.
Brotherboys sind in Australien von mehrfacher Diskriminierung betroffen – als indigene Menschen und als trans Männer zugleich. Gesundheitsversorgung, die kulturelle und geschlechtliche Identität gleichermaßen berücksichtigt, ist in weiten Teilen des Landes kaum verfügbar. Netzwerke von und für Sistergirls und Brotherboys arbeiten daran, diese Lücke zu schließen und eigene, community-getragene Anlaufstellen aufzubauen.