Burrnesha, auch als „geschworene Jungfrauen" bekannt, sind Personen in traditionellen Gemeinschaften Nordalbaniens und des Kosovo, die als in weiblichen Körpern geborene Menschen ein Gelübde der Keuschheit ablegen und danach in der Gemeinschaft als Männer leben und anerkannt werden. Die Praxis wurzelt im albanischen Gewohnheitsrecht, dem Kanun, das Frauen in patriarchalen Familienstrukturen kaum eigene Rechte zugestand.
Historisch übernahmen Burrnesha durch das Gelübde männliche Privilegien: Sie durften als Familienoberhaupt auftreten, Eigentum verwalten, sich frei bewegen und in traditionell männlich besetzten Rollen arbeiten – etwa wenn eine Familie ohne männlichen Erben dastand oder eine arrangierte Ehe abgewendet werden sollte. Das Gelübde galt als unwiderruflich und wurde meist vor Zeug:innen der Dorfgemeinschaft abgelegt.
Die Zahl der noch lebenden Burrnesha ist heute gering; jüngere Generationen greifen kaum noch auf die Praxis zurück, da sich Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten für Frauen verändert haben. In der Forschung wird die Rolle uneinheitlich eingeordnet: manche sehen darin eine historische Form sozialen, nicht geschlechtlichen Rollenwechsels, andere ziehen Parallelen zu anderen Drittgeschlecht-Traditionen weltweit.