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Cottaging

Buchstabe C 52 Begriffe

Cottaging bezeichnet einen britischen Slangbegriff für anonyme sexuelle Begegnungen zwischen Männern in öffentlichen Toiletten. Der Name geht auf viktorianische Toilettenhäuschen zurück, die mit ihrer kleinen, freistehenden Bauweise wie Cottages wirkten – „Cottage" war schon damals Slang für eine öffentliche Toilette und wurde ab den 1960er-Jahren zum ausschließlich homosexuell konnotierten Begriff. In Polari, der geheimen Zeichensprache schwuler Männer im Großbritannien der Nachkriegszeit, diente das Wort als Doppeldeutigkeit unter vielen.

Genutzt wurden vor allem Toiletten an Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Flughäfen und Universitäten. Wer cruisen wollte, verständigte sich über codierte Fußsignale oder nutzte in Trennwände gebohrte Löcher, sogenannte Glory Holes. Die Praxis entstand aus der Notwendigkeit heraus: In Großbritannien war einvernehmlicher Sex zwischen Männern bis 1967 vollständig verboten, „grobe Unzucht" und – bis 1861 sogar mit der Todesstrafe bedroht – „Sodomie" waren die üblichen Anklagen. Bekannt wurde etwa die Verhaftung des Schauspielers John Gielgud 1953. Auch nach der Teilentkriminalisierung 1967 blieben öffentliche Toiletten ausdrücklich von der Definition „privater" Räume ausgenommen; ein Gesetz von 2003 stellte sexuelle Handlungen dort erneut unter Strafe.

Heute hat sich ein Großteil des anonymen Kennenlernens ins Internet verlagert, wo Apps und Communitys die frühere Funktion öffentlicher Toiletten übernehmen. Als historischer Begriff bleibt Cottaging trotzdem ein Fenster in eine Zeit, in der Schwulsein selbst im öffentlichen Raum unsichtbar bleiben musste, um nicht strafbar zu sein.

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